Initiative

Umweltverbände: "Atomausstieg selber machen!"

Umweltverbände, Verbraucherorganisationen und Anti-Atom-Initiativen rufen die Menschen in Deutschland auf, "sich von den Atomkonzernen zu trennen und den Atomausstieg aus der Gesellschaft heraus zu vollziehen". Dies wurde heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündet.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - In ihrem Aufruf fordern die Organisationen die Stromkunden auf, "massenhaft" zu Ökostromanbietern zu wechseln.Damit wollen sie auf den RWE-Antrag zur Laufzeitverlängerung von Biblis A reagieren.

Über eine eigens eingerichtete Homepage, Telefonberatung, aber auch durch direkte Ansprache, sollen in den kommenden Wochen und Monaten jene rund zwei Drittel der Bevölkerung angesprochen und informiert werden, die nach jüngsten Umfragen der Atomenergie ablehnend gegenüberstehen, bisher daraus aber noch nicht die Konsequenz eines Stromanbieterwechsels gezogen haben. "Erteilen Sie dem Wortbruch der Konzerne mit der Aufkündigung Ihrer Vertragsbeziehungen eine angemessene Antwort. Es kostet Sie fünf Minuten", heißt es in dem bisher von neun Organisationen, Verbänden und Initiativen unterzeichneten Aufruf. Als Alternativen werden die Naturstrom AG, Lichtblick, Greenpeace Energy und die Elektizitätswerke Schönau (EWS) genannt.

"Der größte Wert eines Energieversorgungsunternehmens sind seine Kunden", sagte Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beteiligten Organisationen in Berlin. Koordiniert von der DUH haben sich für die Stromwechsel-Initiative bisher neun Organisationen zusammengeschlossen. Dabei sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bund der Energieverbraucher, der Deutsche Naturschutzring (DNR), Greenpeace, der Naturschutzbund NABU, die Deutsche Sektion der IPPNW, ROBIN WOOD und X-tausendmal quer.

"Wenn die Atomkonzerne nicht abschalten wollen, müssen wir sie eben abschalten", sagte Jochen Stay, der Sprecher der Gorlebener Anti-Castor-Initiative X-tausendmal quer. Die Erfahrung zeige, dass sich im Atomkonflikt immer dann etwas positiv bewegen lasse, "wenn viele Menschen Druck machen, ob jetzt als mündige Stromkunden oder bei Castor-Transporten im Wendland."

Der Bundesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Gerhard Timm, nannte die von RWE geforderte Übertragung von Stromkontingenten ausgerechnet auf den derzeit ältesten Meiler in Deutschland Biblis A eine Zumutung. Vertreter der anderen Organisationen warnten ebenfalls vor einer Aufkündigung des Atomkonsens durch die Kraftwerksbetreiber.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen begrüßten die Kampagne. Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher, und Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin, erklärten, dies sei die richtige Antwort auf die geplanten Laufzeitverlängerungen.

Der Atomkraftwerkbetreiber EnBW Energie Baden-Württemberg AG verweist in einer Stellungnahme zu der Aktion auf die rechtliche Absicherung der Übertragung von Reststrommengen. Dies sei im Atomgesetz festgeschrieben. Nach EnBW-Angaben ist der Betrieb des Atomkraftwerks Neckarwestheim 1 wegen seiner kohlendioxidfreien Stromproduktion ein Beitrag zum Klimaschutz. Durch eine Abschaltung wären Versorgungssicherheit und Preisstabilität gefährdet. Der Energiekonzern kündigte erneut an, noch in diesem Jahr einen Antrag auf Strommengenübertragung für das Kernkraftwerk Neckarwestheim 1 zu stellen.

Weiterführende Links
  • Naturstrom AG im Tarifrechner des strom-magazins (hier klicken)
  • Greenpeace Energy im Tarifrechner des strom-magazins (hier klicken)
  • EWS im Tarifrechner des strom-magazins (hier klicken)
  • Lichtblick im Tarifrechner des strom-magazins (hier klicken)