Greifswalder Bodden

Umweltschützer sehen Umweltstudie zu Auswirkungen von Kraftwerken skeptisch

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht auch nach der jüngst vorgestellten Studie des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zu möglichen Umweltschäden im Greifswalder Bodden durch den Betrieb von Gas- und Steinkohlekraftwerken keinen Anlass für Entwarnung.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Schwerin (ddp-nrd/sm) - Das Gutachten der Meeresexperten habe die Befürchtungen nicht entkräften können, dass es mit dem geplanten Steinkohlekraftwerk bei Lubmin zu einer massiven Schädigung des Gewässers kommen werde, sagte Verbandsvertreter Arndt Müller.

Er kritisierte insbesondere die Aussage, dass die Laichgebiete des Ostseeherings durch die Kühlwassereinleitung nicht betroffen seien. Für diese Einschätzung fehlten derzeit Erkenntnisse über die genaue Ausdehnung der Seegraswiesen im Bodden, dem Hauptlaichgebiet der Fische.

Nach Ansicht Müllers sind auch die Berechnungen zum Nährstoffeintrag in den Bodden zu hinterfragen. Er verwies darauf, dass bei dem Modell eine eventuelle Eisbildung auf dem Bodden im Winter nicht berücksichtigt worden sei. Dies hätte aber Einfluss auf den Verbleib nährstoffreichen Wassers im Bodden und auf eine spätere Planktonblüte.

Laut der Studie haben der Betrieb der geplanten drei Kraftwerke am Bodden keine negativen ökologischen Auswirkungen auf das gesamte Flachgewässer. Beeinträchtigungen durch die Kühlwassernutzung würden sich auf rund 3000 Hektar des 51.400 Hektar umfassenden Gebiets beschränken, teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit. Durch die prognostizierte Temperaturerhöhung des Wassers um drei bis maximal 7,5 Grad in einem Radius von 1,5 Kilometern unmittelbar um den Auslaufkanal werde es in dieser 400 Hektar großen Zone zu einer "Artenverschiebung" bei Pflanzen und Tieren am Boden kommen. Für das zentrale Boddenareal von etwa 48.000 Hektar sei die Entnahme und Rückleitung des Kühlwassers ökologisch nicht relevant.