Förderung erneuerbarer Energien

Umweltnutzen: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Die meisten Stromanbieter bieten heute auch Ökostrom-Tarife an, doch im Hinblick auf den Umweltnutzen weisen diese deutliche Unterschiede auf. Der Umweltnutzen von Ökostromangeboten ohne "Neubaugarantie" ist dem Grüner Strom Label (GSL) zufolge fragwürdig.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (red) - Der wichtigste Anhaltspunkt für ein Stromangebot mit Umweltnutzen ist die Neuanlagenförderung, denn lediglich über die Ausweitung der Nutzung Erneuerbarer Energien kommen wir der Energiewende einen Schritt näher. Viele Ökostromangebote beruhen jedoch ausschließlich auf Strom aus Altanlagen auf Basis Erneuerbarer Energien, wobei der Umweltnutzen fragwürdig sei, so die Orangisation.

Stammt der Strom, der über den Ökotarif verkauft wird, aus Altanlagen im Inland, werden Strommengen, die vorher für die Stromversorgung aller Stromkunden eingesetzt wurden, nun speziell über den Ökostromtarif vermarktet. Die Stromkunden mit einem herkömmlichen Stromtarif erhalten dementsprechend weniger Ökostrom. Am allgemeinen Strommix in der Bundesrepublik ändert sich dadurch in der Regel nichts.

Manche Versorger beziehen ihren Strom auch aus dem Ausland. Damit steht dort weniger Ökostrom zur Verfügung. Das verbessert zwar die Bilanz der Bundesrepublik, jedoch bleibe offen, ob das fehlende Angebot im Ausland durch Strommengen auf Basis fossil-atomarer oder erneuerbarer Energieträger ersetzt wird. Wenn Wasserkraft beispielsweise von Schweden nach Deutschland verschoben wird, dann haben die Schweden weniger Ökostrom in ihrem Strommix und der direkte Umweltnutzen ist gleich null, so das GSL.

Im Fall von Ökostromangeboten auf Basis von Zertifikaten des "Renewable Energy Certificate System" (RECS) komme es ebenfalls zu keiner expliziten Neuanlagenförderung. Dabei erhält der Betreiber der zertifizierten Anlage lediglich einen geringen Zusatzerlös, der aus dem Verkauf der Zertifikate erzielt wird. Der weitaus größere Betrag fließt an die Betreiber der konventionellen Kraftwerke, da die physische Stromlieferung in der Regel aus konventionellen Kraftwerken erfolgt. Die RECS-Zertifizierung ist eine preiswerte Methode, Strom grün einzufärben, kritisiert das Label.

Das "Grüner Strom Label" erhalten ausschließlich solche Stromangebote, von denen mindestens ein Cent pro Kilowattstunde in den Neubau von Anlagen zur Erzeugung umweltfreundlichen Stroms investiert wird. Damit soll es Endverbrauchern die Garantie geben, dass sie einen aktiven Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten.