Ausstoß reduziert

Umweltministerium: Deutschland schafft sein Klimaschutzziel

Die deutschen Unternehmen haben nach Angaben des Umweltministeriums ihren Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid im ersten Jahr des Emissionshandels reduziert. Ende 2005 lagen die Treibhausgasemissionen um etwa 19 Prozent unter dem Emissionsniveau von 1990. Das sind neun Millionen Tonnen weniger als 2000.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/sm) - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat alle Staaten der Welt zu größeren Anstrengungen beim Klimaschutz aufgerufen. Bei der Eröffnung einer Konferenz der Vereinten Nationen zum Klimawandel sagte Gabriel vor 1000 Umweltexperten heute in Bonn, weltweit müsse der Ausstoß von Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts halbiert werden.

Eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau sei erforderlich, um den Klimawandel in beherrschbaren Grenzen zu halten. Die erneuerbaren Energien müssten deutlich ausgebaut werden. Deutschland hat nach Meinung von Gabriel sein im Kyoto-Protokoll festgelegtes Klimaschutzziel nahezu erreicht. Kritik an den Vereinbarungen zum Emissionshandel kam von den Umweltverbänden.

Die deutschen Unternehmen reduzierten nach Angaben des Bundesumweltministeriums ihren Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid im ersten Jahr des Emissionshandels. Ende 2005 lagen demnach die Emissionen um knapp 19 Prozent unter dem Niveau von 1990, wie das Ministerium am Montag unter Berufung auf die Daten der Deutschen Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt mitteilte. Danach senkten die am Emissionshandel beteiligten Unternehmen im Vorjahr ihren Ausstoß an Treibhausgasen um knapp neun Millionen Tonnen unter den Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2002. Das entspricht einer Minderung von etwa zwei Prozent. "Der Emissionshandel wirkt", sagte Gabriel mit Verweis auf die Zahlen. Insgesamt lagen den Angaben des Umweltministeriums zufolge die tatsächlichen Kohlendioxid-Emissionen 2005 um vier Prozent oder 21 Millionen Tonnen unter der Gesamtmenge der in jenem Jahr kostenlos zugeteilten Emissionszertifikate.

Die Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne vertrat den Standpunkt, die 21 Millionen Tonnen weniger seien "großteils kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern Augenwischerei". Denn den Unternehmen seien von Anfang mehr Rechte zugeteilt worden, als sie benötigt hätten. Jetzt von Erfolg für den Klimaschutz zu reden, sei "scheinheilig". Auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte die Vergabe von Emissionsrechten als "zu großzügig". Die BUND-Bundesvorsitzende Angelika Zahrnt erklärte, der Emissionshandel dürfe "nicht zum Papiertiger verkommen". Die Selbstverpflichtung der Unternehmen müsse ohne Abstriche umgesetzt werden.

In Bonn wollen die Vertreter der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls sowie von Umweltverbänden, Unternehmen und der Wissenschaft mehrere Tage lang über weitere Maßnahmen gegen den Klimawandel beraten. Im Kyoto-Protokoll, das am 16. Februar 2005 in Kraft trat, haben sich 141 Staaten verpflichtet, die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase im Zeitraum von 2008 bis 2012 um mindestens 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Das Protokoll sieht vor, dass Deutschland seine Emissionen bis 2012 um 21 Prozent senken muss.

Von Friedrich Kuhn