Streit um AKW-Laufzeiten

Umweltministerin: Biblis 10 Jahre länger laufen lassen

Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) hält es für möglich, dass das Atomkraftwerk Biblis A noch mindestens zehn Jahre lang Strom liefert. Die SPD warf ihr daraufhin "Ignoranz in Sicherheitsfragen" vor. Die Grünen warfen der Ministerin vor, sich nur die finanziellen Interessen des AKW-Betreibers RWE einzusetzen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Man (ddp/red) - Lautenschläger sagte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", sie halte es für möglich, dass Biblis A noch mindestens zehn Jahre lang Strom liefert. Voraussetzung sei allerdings, dass der älteste noch genutzte Atomreaktor Deutschlands künftigen verschärften Sicherheitsstandards genüge.

Klar sei auch, dass ein Weiterbetrieb von Atomkraftwerken über die vereinbarten Laufzeiten hinaus nur dann möglich sei, wenn die Betreiber mindestens 50 Prozent ihrer dann zusätzlich anfallenden Gewinne für die Förderung regenerativer Energien zur Verfügung stellten, ergänzte Lautenschläger. Bei einer um zehn Jahre verlängerten Betriebszeit kämen auf diese Weise etwa 20 Milliarden Euro zusammen.

Scharfe Töne von Opposition

Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel warf der Ministerin eine "unerträgliche Ignoranz in Sicherheitsfragen" vor. Atomkraft sei eine letztlich nicht beherrschbare "Hochsicherheitstechnologie". Biblis erfülle die notwendigen Sicherheitsstandards nicht: Die Gefahren eines Flugzeugabsturzes oder eines Terrorangriffs seien bis heute nicht gebannt. Auch "die Endlagerung des atomaren Mülls ist weder geklärt noch finanziert", fügte Schäfer-Gümbel hinzu.

Grünen-Umweltexpertin Ursula Hammann bezeichnete Lautenschlägers Vorstoß als "reine Gelddruckmaschine" für den Betreiber RWE. "Jeder Tag, an dem Biblis A am Netz ist, spült dem Energieriesen eine Million Euro in die Kassen." Dies zeige, dass sich die Ministerin vor allem für die wirtschaftlichen Interessen von RWE einsetze, betonte Hammann. Den Ausbau erneuerbarer Energien vernachlässige Lautenschläger hingegen sträflich.

CDU: Erneuerbare hängen nicht von Atomkraft ab

CDU-Fraktionschef Christean Wagner warf SPD und Grünen indes vor, Ängste zu schüren. Deutschlands Kernkraftwerke entsprächen den höchsten internationalen Sicherheitsstandards. Auch bei einem Weiterbetrieb der Kernkraftwerke könnten erneuerbare Energien ebenso engagiert ausgebaut werden wie bisher, fügte Wagner hinzu. "Niemand, der in alternative Energiequellen investiert, wird seine Entscheidung vom Ausstieg aus der Kernenergie abhängig machen."

Die beiden Blöcke Biblis A und B wurden 1974 und 1976 in Betrieb genommen und gehören damit zu den ältesten noch genutzten Reaktoren in Deutschland. Atomkraftgegner kritisieren seit langem, dass Biblis gravierende Sicherheitsmängel aufweise. Dies gelte vor allem für Block A. RWE hält das Kraftwerk hingegen für sicher.