Weg mit Gefährdungsreaktoren

Umweltminister will sich mit Reaktorenbetreiber treffen

Bundesumweltminister Gabriel will nach der Sommerpause mit allen Reaktorenbetreibern in Deutschland Gespräche wegen der Strommengenübertragung alter Reaktoren führen. Die deutsche Atomindustrie sorgt sich derweil um ihr Image. In der Öffentlichkeit sei ein sehr schlechter Eindruck hervorgerufen worden.

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Köln (ddp-nrd/sm) - Bei den Gesprächen zwischen dem Umweltminister und AKW-Betreibern soll es vor allem darum gehen, die Restlaufzeiten auf moderne Anlagen zu übertragen. Die jetzigen Vorfälle seien nur ein Beweis dafür, dass man von diesen "Gefährdungsreaktoren" weg müsse. Er wisse, dass es bei steuerlich abgeschriebenen Reaktoren um viel Geld gehe und nannte in dem Zusammenhang "Extragewinne von einer Million Euro pro Tag für abgeschriebene Reaktoren". Bei der Sicherheit könne man jedoch keine Abstriche machen. Der Minister bezeichnete es als absurd, junge Reaktoren kürzer laufen lassen zu wollen und dafür ältere länger. Das Atomenergiegesetz sehe vor, gerade umgekehrt vorzugehen, sagte Gabriel.

Der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, wertete den durch die Informationspolitik Vattenfalls in der Öffentlichkeit hervorgerufenen Eindruck als "verheerend". Dadurch habe die Kernenergie einen starken Rückschlag erhalten. Das Mitglied im Vorstand von E.ON-Energie sagte aber auch: "Wegen verfehlter Öffentlichkeitsarbeit legt man keine Anlage still, sie ist auch kein Grund für ein Festhalten am Ausstieg aus der Kernenergie."

Hohlefelder betonte: "Aus der Statistik des Bundesamts für Strahlenschutz über die Zahl der Vorkommnismeldungen der letzten Jahre kann man nicht wie Gabriel den pauschalen Schluss ziehen, ältere Anlagen seien schlechter als neuere." Weiter sagte er: "Für die Opferrolle in einer Kampagne eignen sich große Stromunternehmen nicht." Allerdings könne man von den zuständigen Politikern erwarten, "dass sie nüchtern und vor allem vorurteilsfrei die Dinge aufklären".

Sozialministerin Trauernicht (SPD) sagte, "wir haben es hier mit einer hoch riskanten Technologie zu tun und wissen aus den Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre, dass es immer wieder zu schweren Zwischenfällen, zu Störfällen kommt". Diese seien auf technische Fehler sowie auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Trauernicht betonte: "Von Sicherheit kann keine Rede sein."