Geringe Akzeptanz

Umweltminister Röttgen: Keine Abkehr vom Atomausstieg

Der Atomausstieg kann nach Ansicht des neuen Bundesumweltministers Norbert Röttgen nicht rückgängig gemacht werden, denn es gebe schon seit Jahren keine Mehrheit in der Bevölkerung dafür. Die hessische CDU jedoch kritisiert Röttgens Äußerungen: Man müsse überzeugen statt Mehrheiten hinterher zu laufen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/ddp/red) - Kernenergie könne auf Dauer nur genutzt werden, wenn eine Mehrheit der Menschen sie akzeptiere, sagte Röttgen der "Bild"-Zeitung. Das sei aber seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Und daran werde sich nach seiner Einschätzung auch nichts mehr ändern.

Kein billiger Strom mit Atomkraftwerken

Auf die Frage, ob länge Laufzeiten für Atomkraftwerke Strom verbilligen könnten, sagte Röttgen: "Es wäre unredlich, Billigenergie zu versprechen." Sollten die Laufzeiten verlängert werden, dann müsse das auch geschehen, um einen "wesentlichen Teil der Sondergewinne in erneuerbare Energiequellen zu investieren", sagte der CDU-Politiker. Die besten Möglichkeiten, um die Stromrechnung zu reduzieren, seien der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter und Sparsamkeit beim Energieverbrauch.

Grüne trauen dem Umweltminister nicht

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, Röttgen spreche nun "deutlich anders als vor der Wahl". Bei den Energiekonzernen werden man "sich die Haare raufen". Röttgen habe offenbar die Aufgabe eine Jamaika-Koailtion aus Union, FDP und Grünen bundesweit "salonfähig zu machen". Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hingegen nannte Röttgens Eingeständnis unglaubwürdig. Für sie bleibe der Umweltminister "der böse Wolf im Gewand von Rotkäppchen".

Hessen-CDU rügt Röttgens Äußerungen

Die hessische CDU kritisiert die Röttgens Aussagen zum Atomausstieg. "Gerade bei so schwierigen Themen wie der Kernenergie dürfen wir nicht nur aktuellen Meinungsbildern hinterherlaufen, sondern müssen als Politiker mutig vorangehen und mit Sachargumenten die Menschen überzeugen", sagte der hessische CDU-Fraktionschef Christean Wagner. Er bezeichnete die Kernenergie als unverzichtbar, "weil sie eine klimafreundliche, vom Ausland unabhängige und kostengünstige Technologie ist."

Die schwarz-gelbe Regierung hat vereinbart, Laufzeiten von Atomkraftwerken nur unter bestimmten Bedingungen zu verlängern. So müssen beispielsweise bestimmte Sicherheitsstandards eingehalten werden.

Quelle: AFP