Keine Zukunftstechnologie

Umweltminister kritisiert Sarkozys Werben für Atomkraft

Gabriel hat Frankreichs Präsident wegen Äußerungen zur Atomkraft kritisiert. Sein Engagement für die Atomkraft diene weniger dem Klimaschutz als französischen Wirtschaftsinteressen. "Diese können jedoch nicht Maßstab einer europäischen Energie- und Klimaschutzpolitik sein", so Gabriel im "Tagesspiegel".

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte sich gestern nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür ausgesprochen, die Kernkraft zu einem festen Bestandteil einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik zu machen. "Atomenergie ist die Energie der Zukunft", sagte der Staatspräsident.

Gabriel widersprach: "Atomkraft ist alles andere als eine Zukunftstechnologie. Weltweit gehen mehr Atomkraftwerke vom Netz als neue gebaut werden", betonte der SPD-Politiker.

Der SPD-Bundestagsfraktionsvize Ulrich Kelber warf Sarkozy vor, "französische Industriepolitik machtpolitisch durchdrücken zu wollen". Sarkozy ignoriere, dass die meisten EU-Staaten keine Atomkraftwerke hätten und auch keine wollten, sagte Kelber dem "Tagesspiegel".

Dabei habe Frankreich eben nur die Atomkraft als "Dinosauriertechnologie" im Angebot. "Bei allen anderen Energietechnologien ist Frankreich ein Entwicklungsland." 90 Prozent der in Frankreich gekauften Solaranlagen müssten aus Deutschland importiert werden, und auch bei Energieeffizienz-Technologien habe Frankreich nichts zu bieten.