Strom-News
GesellschaftskonfliktDer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig, befürchtet tiefgreifende gesellschaftliche Folgen, sollten neue Atomkraftwerke in Deutschland geplant und gebaut werden. Das Deutsche Atomforum betont jedoch, es gehe nicht um den Neubau von Kraftwerken, sondern um die Laufzeitverlängerung bestehender Anlagen.
Ludwigshafen (ddp/sm) - "Der Bau neuer Atomkraftwerke ist in Deutschland gesetzlich verboten. Der Atomkonsens hat einen jahrzehntelangen tiefgreifenden Konflikt in unserer Gesellschaft befriedet. Wer diesen Konsens aufkündigt, der trägt Verantwortung dafür, wenn die alten Gräben wieder aufgerissen werden", sagte Machnig der "Rheinpfalz".
Walter Hohlefelder vom Deutschen Atomforum hielt laut Zeitung dagegen, die Frage nach neuen Kernkraftwerken "stellt sich auf absehbare Zeit nicht". Zumal dann nicht, wenn die Laufzeiten verlängert würden. Zugleich verwies er auf Umfragen, die zeigten, dass sich die Argumente, die international zu einem "Aufschwung der Kernenergie geführt haben, auch in der Einstellung der deutschen Bevölkerung widerspiegeln".
Machnig verwies seinerseits auf die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Deutschland sei hier einer der Weltmarktführer, betonte er. "2007 arbeiteten rund 250.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien, bis 2020 wird mit einer Zunahme auf 400.000 gerechnet."
Der Newsletter von Strom-Magazin.de
Bekommen Sie kostenlos jeden Mittwoch aktuelle News vom Strom- und Gasmarkt direkt in Ihr Postfach! Jetzt anmelden:
Politiker und Gewerkschafter dringen angesichts stark steigender Energiepreise auf finanzielle Entlastungen für die Bürger. Während der CSU-Vorsitzende Erwin Huber für deutlich längere AKW-Laufzeiten plädierte und deren Gewinne den Verbrauchern zugutekommen lassen will, warnen Linke und Gewerkschaftler davor, das Bürger im Winter frieren müssen.
Innerhalb der Gewerkschaften eskaliert der Streit um die Zukunft der Atomenergie. In einem Brief greift der ver.di-Funktionär und Betriebsratschef des Stromkonzerns RWE, Günter Reppien, scharf den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an, weil dieser am Atomausstieg festhalten will.
Die Bundeskanzlerin wirbt weiter für längere Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke. Die Kernenergie liefere ein Drittel der Stromversorgung, und das in zwölf Jahren zu ändern, halte sie für falsch, sagte Merkel im ARD-Sommerinterview des "Berichts aus Berlin". Dass auch in der SPD darüber diskutiert werde, habe deren Vordenker Erhard Eppler gezeigt.
Der frühere Grünen-Politiker Hubert Kleinert hat mit seinem Plädoyer für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken scharfen Widerspruch in seiner Partei ausgelöst. Die Grüne Jugend nahm Kleinerts Äußerungen "mit Entsetzen" auf, wie es in einem Offenen Brief vom Montag heißt.
Wenige Tage vor Merkels Besuch in der Ukraine fordern die Grünen die Kanzlerin zu einem Besuch des Gebietes um den havarierten Atomreaktor Tschernobyl auf. Dort könne sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass die Atomenergie mit unverantwortbar hohem Risiko verbunden sei, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast.Strompreise vergleichen
Einfach Postleitzahl und jährlichen Stromverbrauch in kWh eingeben und günstige Stromtarife finden!