ZEW-Energiemarktbarometer

Umfrage: Politik vernachlässigt Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit

Die deutsche Energiepolitik hebt nach Meinung von Experten zu stark auf Umweltverträglichkeit ab, während andere wichtige Ziele wie eine kostengünstige Versorgung oder die Versorgungssicherheit einen zu geringen Stellenwert haben, so das Ergebnis des ZEW-Energiemarktbarometers.

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Mannheim (red) - Vor die Entscheidung gestellt, ob Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit oder Versorgungssicherheit das oberste Ziel der deutschen Energiepolitik sein sollte, erklärt eine knappe Mehrheit von 39 Prozent der vom ZEW befragten Experten eine wirtschaftliche Energieversorgung zum wichtigsten Ziel. Eine umweltverträgliche Energieversorgung hat für rund 36 Prozent der Befragten oberste Priorität, während für 25 Prozent der Experten die Versorgungssicherheit das wichtigste Ziel der deutschen Energiepolitik sein müsste.

Ein ganz anderes Bild ergibt sich indessen, wenn die Experten nach der tatsächlichen Gewichtung der drei genannten Ziele in der deutschen Energiepolitik gefragt werden. Hier ist eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent der Meinung, dass die Bundesregierung das Ziel der Umweltverträglichkeit mit höchster Priorität verfolgt. Nur etwa 25 Prozent haben den Eindruck, dass die kostengünstige Versorgung im Mittelpunkt steht. Bei der Versorgungssicherheit denken lediglich 14 Prozent, dass die Politik dieses Ziel am konsequentesten verfolgt.

Gefragt nach der Energiepolitik der EU, betrachtet fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) die Umweltverträglichkeit als das wichtigste Ziel. 52 Prozent meinen auch, dass dieses Ziel tatsächlich am konsequentesten verfolgt wird. Dagegen finden nur 17 Prozent der Experten, dass eine wirtschaftliche Energieversorgung das wichtigste Ziel der europäischen Energiepolitik sein sollte, aber fast 35 Prozent sind der Ansicht, dass die EU dieses Ziel vorrangig verfolgt. Die Versorgungssicherheit sollte nach Ansicht rund eines Drittels der Experten (34 Prozent) auf EU-Ebene oberste Priorität haben. Ähnlich wie bei deutschen Energiepolitik denkt aber nur eine Minderheit, dass dieses Ziel auch tatsächlich mit hoher Priorität verfolgt wird (14 Prozent).