ZEITWissen

Umfrage: Ökostreber und Kernenergieskeptiker

Die Deutschen sind Musterschüler in Sachen Mülltrennung und Energiesparen, bei der Frage nach der friedlichen Nutzung der Atomkraft jedoch gespalten. Das ergaben zwei repräsentative Umfragen des Magazins "ZEITWissen". Das Besondere: Die Umfrageergebnisse werden von Experten bewertet.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (red) - So gaben 92 Prozent der Befragten an, sie würden bei Verlassen ihrer Wohnung das Licht ausmachen und die Heizung drosseln, um Energie zu sparen. Ein ähnlich hoher Teil der Bevölkerung sortiert eifrig den Hausmüll: Ebenfalls 92 Prozent der Befragten trennen ihren Abfall konsequent. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Deutlich unter dem Durchschnitt lag der Anteil von Mülltrennern in Hamburg mit 68,5 Prozent, an der Spitze stehen die Bürger von Rheinland-Pfalz: 99 Prozent der befragten Einwohner bezeichnen sich als konsequente Mülltrenner.

Die Selbsteinschätzung der Deutschen korreliert allerdings nicht mit den Erfahrungen der Abfallindustrie, schreibt "ZEITWissen" in seiner aktuellen Ausgabe: Rund ein Viertel des Papier-, Glas- und Verpackungsabfalls lande in der falschen Mülltonne.

Der Atomausstieg polarisiert indes die Bevölkerung. Die repräsentative Emnid-Umfrage für "ZEITWissen" ergab, dass 47 Prozent angesichts der Probleme mit fossilen Brennstoffen eine Wiederbelebung der Kernenergie befürworten, 50 Prozent sind dagegen. Männer haben dabei mehr Vertrauen in die Atomkraft als Frauen: 53 Prozent der Männer befürworten eine Wiederbelebung der Kernenergie, gegenüber nur 41 Prozent der befragten Frauen. Auch Altersunterschiede machen sich bemerkbar: 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen lehnen die Kernenergie ab. Bei den über 60-Jährigen hingegen haben mit 56 Prozent die Befürworter die Mehrheit.

Ob die Kernenergie durch Klimakatastrophe und Ölkrise vor einem Comeback steht, ist auch unter Experten umstritten. Für eine Renaissance gebe es "keine Beweise", schreibt der amerikanische Energieforscher und Unternehmensberater Amory Lovins in "ZEITWissen". "Die neuen US-Subventionen können die Analysten nicht beeindrucken", schreibt Lovins. "Es ist so, als würde man versuchen, eine Leiche zu defibrillieren: Sie zuckt, aber erwacht nicht zum Leben." Die Kernkraft sei einem tödlichen Angriff der Marktkräfte zum Opfer gefallen. "Heute wird sie nur noch in zentral gesteuerten Energiestrukturen geordert, kein Investor würde privates Kapital dafür riskieren."