Trotz Anreizregulierung

Umfrage: Kommunen halten an Stadtwerksbeteiligungen fest

Die Mehrheit der deutschen Städte und Gemeinden (86 Prozent) erwartet als Folge der Anreizregulierung, die ab dem 1. Januar 2009 in Kraft tritt, sinkende Renditen. Doch nur gut ein Drittel (36 Prozent) rechnet damit, dass mehr Beteilungen an Stadtwerken verkauft werden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt (red) - Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Kooperation oder Ausverkauf der Stadtwerke?" von PricewaterhouseCoopers (PwC). Befragt wurden 202 deutsche Städte, Kommunen und Gemeinden, die an lokalen Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerken beteiligt sind.

Trotz der erwarteten Auswirkungen der Anreizregulierung auf ihre Haushalte kann sich die Mehrheit (85 Prozent) der westdeutschen Städte und Gemeinden nicht vorstellen, sich von Beteiligungen an Versorgungsunternehmen vollständig zu trennen. In den neuen Bundesländern sind es 68 Prozent. Verkaufsabsichten bestätigen vor allem die finanzschwachen Kommunen.

Bedingung für einen Verkauf oder eine Anteilsreduktion ist der PwC-Studie zufolge für fast alle befragten Kommunen (95 Prozent) der Erhalt lokaler Arbeitsplätze. Ebenfalls entscheidend ist für 89 Prozent der Erhalt des kommunalen Einflusses und die Höhe des Verkaufserlöses.

Pro und contra Privatisierung

Etwa jede zweite Kommunen führen konkrete Gründe an, die für eine Privatisierung sprechen. Ein Drittel sieht in der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des Energieversorgers durch privatwirtschaftliche Beteiligungen einen klaren Vorteil. Zudem ist die Sanierung des kommunalen Haushalts durch eine Privatisierung entscheidend.

Als Argumente gegen eine Privatisierung führen die Befragten den Erhalt von lokalen Arbeitsplätzen, die Wahrung des kommunalen Einflusses und die Sicherung von Gewinnausschüttungen an. Aber auch der Widerstand in der Bevölkerung gegen eine Privatisierung und die Ansicht, die Grundversorgung der Bevölkerung sei eine kommunale Aufgabe, spielen eine Rolle.

Die Mehrheit (57 Prozent) der befragten Kommunen sieht die horizontale Fusion mit einem anderen Stadtwerk als attraktivste Lösung. Dies stärke die Position des EVU gegenüber Konkurrenten und ermögliche Kostensenkungen auf allen Wertschöpfungsstufen.

Unterschiede zwischen Ost und West

Beim Verkauf der Beteiligungen an Investoren zeichnen sich deutliche Unterschiede zwischen Ost und West ab: So würden 54 Prozent der ostdeutschen, jedoch nur 30 Prozent der westdeutschen Städte und Gemeinden ihre Anteile an einen inländischen strategischen Investor aus der Energiebranche verkaufen. Auch der Verkauf an einen ausländischen strategischen Investor aus dem Energiebereich (Ost: 22 Prozent, West: 7 Prozent) oder der Verkauf an einen Finanzinvestor mit langfristigem Anlagehorizont (Ost: 19 Prozent, West: 5 Prozent) kommt für ostdeutsche Kommunen eher in Frage.