Handel mit Bedeutung

Umfrage: Energiehändler mit neuem Mut nach Krise

Eine Umfrage der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton ergab, dass die europäischen Energiehändler die Vertrauenskrise des Großhandelsmarktes überwunden haben und in den Handelsabteilungen einen wichtigen Aspekt für Ergebnisabsicherung und Wachstum sehen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

München (red) - Zum zweiten Mal in Folge hat Booz Allen Hamilton in einer europaweiten Umfrage aktuelle Trends im Energiehandel und die zukünftige Positionierung führender Energiehandelshäuser untersucht. Fazit: Die Handelseinheiten der großen Energieunternehmen wie etwa Enel, E.ON, RWE und Vattenfall sollten auf die veränderte Dynamik und die erstarkte Liquidität der Großhandelsmärkte reagieren.

Nach dem Kollaps des Energiehandelsriesen Enron und der sich anschließenden Verunsicherung sei der Energiehandel gestärkt aus dieser Krise hervorgegangen, fassen die Unternehmensberater die Ergebnisse ihrer Studie zusammen. Die Erwartungen der Marktteilnehmer seien eindeutig: 85 Prozent der Unternehmen planen in den nächsten drei Jahren mit moderat bis stark steigenden Umsätzen auf den Handelsplätzen für Strom und Gas. Im Zuge dieser erhöhten Liquidität werde der Börsenpreis vermehrt als Referenzpreis von den Marktteilnehmern anerkannt.

90 Prozent der befragten Unternehmen werden demnach ihre Verkaufspreise an den Energiepreisen von Börsen und Maklern ausrichten, im deutschsprachigen Raum sogar über 93 Prozent. Die Absicherung der volatilen Großhandelspreise werde von den befragten Unternehmen als ausschlaggebend bewertet, um in den liberalisierten Strom- und Gasmärkten Gewinne zu erwirtschaften. Auch über 70 Prozent der Erzeugungsanlagen werden intern an Marktpreisen ausgerichtet. So hätten die Börsenpreise und deren langfristige Prognosen entscheidenden Einfluss auf die gegenwärtigen Überlegungen der Energieunternehmen zum Neubau von Kraftwerken in den nächsten Jahren.

Im Zuge dieser Entwicklung hätten Handelsabteilungen intern an Bedeutung gewonnen, erläutert Dr. Karlheinz Bozem, bei Booz Allen Hamilton für das Utility-Geschäft zuständiger Partner. Die Mehrheit der befragten Unternehmen konzentriere sogar die gesamte Gewinnverantwortung im Handel (66 Prozent). Die Größten der Branche wiederum würden zum Teil andere, dezentralere Strategien verfolgen. Neben den internen Dienstleistungen übernehmen Handelsabteilungen auch verstärkt Marktverantwortung in Konkurrenz zu den - oft eigenen - Vertriebseinheiten.