Zwei Wochen nach Forsmark-Störfall

Umfrage: 62 Prozent der Deutschen für Atomausstieg (Upd.)

Die Deutschen misstrauen der Kernkraft. Nach einer neuen Forsa-Umfrage wollen 62 Prozent der Bundesbürger das Tempo des Atomausstiegs beibehalten oder sogar noch beschleunigen. Nur 33 Prozent finden den Atomausstieg falsch oder wollen ihn zumindest verlangsamen, wie die "Berliner Zeitung" heute berichtet.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Zustimmung zum Atomausstieg zieht sich der Umfrage zufolge durch alle Altersgruppen. Nur bei den Befragten über 60 Jahre ist die Zustimmung mit 55 Prozent ein wenig niedriger. Bis auf die Anhänger der FDP sind die Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien mehrheitlich dieser Auffassung. Sogar 53 Prozent der Unionswähler halten den Atomausstieg wie geplant oder sogar noch schneller für richtig. Bei der SPD sind es 70 Prozent, bei den Grünen 88 Prozent, bei der Linkspartei 71 Prozent, bei der FDP 40 Prozent.

Die meisten Deutschen gehen laut Umfrage zwar davon aus, dass sich die Sicherheit der Kernkraftwerke seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 20 Jahren verbessert hat. Dennoch ist 53 Prozent der Befragten das Unfallrisiko nach wie vor zu hoch. 18 Prozent sind sogar der Meinung, dass ein Vorfall wie in Tschernobyl heute noch genauso wahrscheinlich ist wie damals. 26 Prozent schätzen das Risiko eines Unfalls dagegen als so gering ein, dass sie bereit sind, es in Kauf zu nehmen. Zwei Prozent der Befragten halten Atomkraftwerke für absolut sicher.

Die Erhebung habe das Bundesumweltministerium (BMU) zwei Wochen nach Bekanntwerden des Störfalls im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark in Auftrag gegeben.

Wie das Ministerium inzwischen bekannt gab, hat die am 4. August vom BMU mit der Untersuchung der Konsequenzen des Ereignisses in Forsmark beauftragte Reaktorsicherheitskommission (RSK) ihre Beratungen aufgenommen. Sie werden am 24. August 2006 im zuständigen RSK-Fachausschuss "Elektrische Einrichtungen" fortgesetzt.

Inzwischen haben die Grünen eine Sondersitzung des Bundestags-Umweltausschusses beantragt. Die Bundesregierung dürfe die Vorwürfe gravierender Sicherheitsmängel an der Notstromversorgung des AKW nicht auf die leichte Schulter nehmen, sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn gestern in Berlin. Die Bundesregierung müsse darlegen, wie sie die Gefährdungslage in Brunsbüttel einschätzt. Auch zu dem Störfall in Schweden und zur Informationspolitik von Unweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gebe es noch offene Fragen.