5000 Arbeitsaufträge

Umfangreiche Revision im Atomkraftwerk Gundremmingen

Im größten deutschen Atomkraftwerk im schwäbischen Gundremmingen läuft derzeit die umfangreichste Revision seit Betriebsbeginn 1984. Über 2000 zusätzliche Facharbeiter sind momentan im abgeschalteten Block C im Einsatz. Die Revision soll doch bis Mitte November andauern.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Gundremmingen (ddp-bay/sm) - Insgesamt müssen in den Wochen des Stillstandes von Block C rund 5000 Arbeitsaufträge erledigt werden, zu deren Durchführung mehr als 100 Spezialfirmen engagiert wurden. Die zwei baugleichen Reaktorblöcke B und C haben eine Nennleistung von je 1344 Megawatt. Etwa 2,9 Millionen Durchschnittshaushalte können nach Werksangaben mit Strom versorgt werden. Für den neuen Betriebszyklus werden 120 frische und 56 teilabgebrannte Brennelemente ein- beziehungsweise umgesetzt. Rund 25 Millionen Euro kosten die Wartungsarbeiten den Betreiber RWE.

Vorwürfe von Atomkraftgegnern wegen unzureichender Sicherheit

Mit Blick auf die Festnahme dreier Terrorverdächtiger, von denen einer aus Ulm, also der unmittelbaren Nähe von Gundremmingen, stammt, sagte Helmut Bläsig, Geschäftsführer der Anlage: "Wir haben bestimmte Szenarien unterstellt und zwar schon bei der Auslegung der Anlage und aufgrund dieser Tatsache haben wir keine zusätzlichen Maßnahmen treffen müssen."

Atomkraftgegner werfen den Kraftwerksbetreibern jedoch vor, für Terrorangriffe nicht hinreichend vorgesorgt zu haben. Unter anderem kritisieren sie, dass das atomare Zwischenlager auf dem Werksgelände weniger starke Betonwände hat als vergleichbare Lager in norddeutschen Atomkraftwerken.

Kritik auch an Informationspolitik des Betreibers

Sie kritisieren auch, dass über Vorfälle im Atomkraftwerk Gundremmingen noch immer unzureichend informiert werde. So bemängelt der Sprecher der schwäbischen Atomkraftgegner, Raimund Kamm, dass erst vor gut einer Woche ein meldepflichtiges Ereignis eingetreten sei. "Warum mussten wir das auf der Homepage des Bundesumweltministeriums entdecken und warum hat der Betreiber nicht von sich aus informiert?"

Bei dem angesprochenen Zwischenfall vom 17.Oktober geht es konkret um eine "nicht spezifikationsgerechte Ausführung von Schraubenbolzen an den nuklearen Zwischenkühlern". Werksleiter Bläsig sagt dazu: "Es gab zunächst keine Auffälligkeiten." Entdeckt worden seien die falschen Schraubenbolzen durch "Hinweise aus anderen Anlagen". Der Vergleich mit dem Auto, bei dem die richtigen Bremsen eingebaut, aber die falschen Bremsklammern verwendet werden, weist er ebenso zurück wie den Vorwurf der späten Information.

Er geht auch auf einen Vorfall im August ein, als es zu einem einwöchigen Stillstand der Anlage gekommen ist. Ein Brennelementeschaden sei behoben worden, der aufgrund veränderter Messwerte im Reaktorwasser erkannt wurde. Erst nach Abklingen der Radioaktivität könne die Ursache ermittelt werden.

Im Werk bietet sich derzeit ein ungewohnter Anblick. Nur etwa alle acht bis zehn Jahre werden die großen Turbinen im Generatorraum geöffnet und es wird eine sogenannte "integrale Druckprüfung des Reaktorbehälters" durchgeführt. Hunderte von Prüfschritten werden bei dieser Kontrolle durchgeführt.