Energiewende

Umbau bei RWE: Muss Deutschland-Chef Neuhaus gehen?

Energieriese RWE befindet sich erneut in Unruhe: Einer der Topmanager wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Unternehmen verlassen. Angeblich soll es nach dem Konzernumbau im Zuge der Energiewende keinen Posten mehr für Deutschland-Chef Arndt Neuhaus geben.

RWE

Essen (dpa/red) - Der Energieriese RWE verliert bei seinem radikalen Umbau nach dpa-Informationen Deutschland-Chef Arndt Neuhaus. Damit geht ein Vertrauter der mächtigen Kommunen, die knapp ein Viertel der RWE-Anteile halten. Neuhaus verlasse das Unternehmen, weil es in der geplanten RWE-Zukunftsgesellschaft keine entsprechende Position für ihn mehr geben sollte, hieß es am Donnerstag aus RWE-Kreisen. Offiziell äußerten sich die Essener zu der Personalie nicht.

Handelsblatt: Weitere Manager müssen gehen

Für den Nachmittag war eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung der RWE Deutschland AG geplant. Danach sollte es eine Mitteilung geben. Über einen Weggang von Neuhaus hatte zuvor bereits das "Handelsblatt" (Donnerstag) berichtet. RWE-Chef Peter Terium habe mit Neuhaus einen Widersacher aus dem Konzern gedrängt, schrieb die Zeitung. Mit ihm müssten zahlreiche weitere Manager gehen.

Umbau im Zuge der Energiewende

RWE wird wegen der Folgen der Energiewende derzeit grundlegend umgebaut. Die erneuerbaren Energien sowie das Netz- und Vertriebsgeschäft werden dabei in einer neuen Tochter gebündelt und voraussichtlich Ende 2016 an die Börse gebracht. Aus den Erlösen will RWE seine Investitionen vor allem in die Erneuerbaren ausbauen. Das klassische Geschäft mit den Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie der Energiehandel bleiben im Mutterkonzern.

Neuhaus leitete die umsatzstärkste Beteiligungsgesellschaft bei RWE

Neuhaus (49) ist seit 14 Jahren bei RWE und leitet seit 2011 die RWE Deutschland AG, die mit knapp 20.000 Mitarbeitern größte und umsatzstärkste Beteiligungsgesellschaft im Konzern. Sie wird in der RWE-Zukunftsgesellschaft (Arbeitstitel "NewCo") aufgehen, die am 1. April dieses Jahres gegründet wird. Unternehmenskreisen zufolge hatte der ehrgeizige Neuhaus mindestens einen Vorstandsposten oder sogar die Leitung von NewCo angestrebt.

Laut "Handelsblatt" möchte Konzernchef Terium aber zumindest für eine Übergangszeit die "alte" und die "neue" RWE in Personalunion führen. Auch dazu gab es offiziell noch keinen Kommentar vom Unternehmen.

Aktionäre fürchten schwindende Dividende

Die RWE Deutschland AG ist an zahlreichen Stadtwerken beteiligt und führt Strom-, Gas- sowie Wassernetze in deutschen Städten und Gemeinden. Kommunalvertreter wollten sich zu der Personalie zunächst ebenfalls nicht äußern. Die Begeisterung dürfte sich aber in Grenzen halten, hieß es aus Konzernkreisen - zumal sich die kommunalen Aktionäre auf eine erneute Dividendenkürzung einstellen müssten. Die vor Jahren bereits auf einen Euro halbierte Ausschüttung könnte auf etwa 85 Cent oder noch stärker schrumpfen, befürchten sie.

Update: Aus von Neuhaus bestätigt

Dass der Topmanager Neuhaus RWE verlässt, wurde noch am Donnerstag (28.01.) bestätigt. Er verlasse Ende Januar den Konzern, teilte RWE am Nachmittag nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mit.

RWE-Vize Rolf Martin Schmitz lobte Neuhaus als «exzellenten Energiemanager». Von RWE-Chef Peter Terium gab es zunächst keine Stellungnahme zum Ausscheiden von Neuhaus.

Quelle: DPA