Noch große Uranvorkommen

Übersicht: 443 Atomkraftwerke weltweit

In Deutschland ist der Streit um die Rückkehr zur Atomkraft innerhalb der Großen Koalition neu entfacht. Da stellt sich die Frage nach den Uranreserven, die offenbar auch nicht unendlich sind. Für die momentan 443 weltweit arbeitenden Kernkraftwerke würden sie allerdings noch etwa 100 Jahre reichen.

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Berlin (ddp/sm) - Weltweit sind derzeit laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA 443 Atomkraftwerke in Betrieb (allein 104 in den USA) - und weitere 24 sind im Bau. Dabei handelt es sich zumeist um Leichtwasserreaktoren, die als Druckwasser- und Siedewasserreaktoren laufen und alle mit Uran 235 betrieben werden. Daneben sind Schwerwasserreaktoren und so genannte Schnelle Brüter im Einsatz sowie Hochtemperaturreaktoren, deren Energieerzeugung auf dem schwach radioaktiven Thorium 232 basiert.

Der hauptsächlich benutzte Kernbrennstoff ist heute Uran, das etwa so häufig vorkommt wie Zinn. Bei Förderkosten von bis zu 80 US-Dollar je Kilogramm liegen die Vorräte laut OECD bei 3,5 Millionen Tonnen. Geht man von Förderkosten von bis zu 130 Dollar aus, liegen die Vorkommen inklusive der heute schon vermuteten Vorräte von 4,4 Millionen Tonnen bei insgesamt knapp 11,3 Millionen Tonnen. Angesichts eines Jahresverbrauchs der gegenwärtig weltweit betriebenen Kernkraftwerke von 68 000 Tonnen würden diese Vorräte zwischen 50 und 166 Jahre reichen. Das Bundeswirtschaftsministerium geht von Uranreserven für 62 Jahre aus, mit den möglichen Ressourcen werden 390 Jahre geschätzt.

Seit Beginn bis einschließlich 2002 sind weltweit 2,01 Millionen Tonnen Uran produziert worden. Die größten Hersteller sind Kanada, Australien, Kasachstan, Niger, Namibia, Usbekistan, Russland, Ukraine, USA und Südafrika. 2004 wurden insgesamt 38 780 Tonnen gefördert, knapp ein Drittel davon in Kanada. Im Meerwasser sind weitere vier Milliarden Tonnen gelöstes Uran enthalten, doch lohnt sich der Aufwand wegen Produktionskosten von voraussichtlich 300 US-Dollar pro Kilogramm nicht.

Der erste Kernreaktor wurde in der damaligen UdSSR nahe Moskau gebaut und 1954 in Betrieb genommen. In Deutschland entstand der erste Atomreaktor im brandenburgischen Rheinsberg (1966), heute sind bundesweit noch 17 Atomkraftwerke am Netz. Laut der unter Rot-Grün mit der Energiewirtschaft erzielten Vereinbarung zum Atomausstieg sollen die letzten bis 2021 abgeschaltet werden. Das erste KKW, das abgeschaltet wurde, war das Kernkraftwerk Stade bei Hamburg Ende 2003.

International wird mit Kernkraft etwa 16 Prozent des Energiebedarfs gedeckt. Während Deutschland mit einem Anteil von 27,5 Prozent (2005) mittelfristig aus der Technologie aussteigen will, planen andere EU-Länder wie Finnland und Frankreich den Bau neuer Atomkraftwerke, auch in Großbritannien und der Schweiz wird ein solcher Schritt erwogen.

Von ddp-Korrespondent André Spangenberg