Workshop

UBA zum Klimaschutz: Zögern wird teuer

Unterlassener Klimaschutz könnte die Staaten über zehn Prozent ihrer Wirtschaftsleistung kosten, das haben Modellrechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) ergeben. Beginnen die Staaten indes jetzt damit, müssen sie sich nicht von Wohlstand und Wachstum verabschieden, die Kosten halten sich im Rahmen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Potsdam (red) - Staaten, die jetzt mit dem Klimaschutz beginnen, müssen sich auch künftig nicht von Wohlstand und Wachstum verabschieden. Neue Modellrechnungen, die das Umweltbundesamt (UBA) und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf einem Workshop in Potsdam vorstellen, zeigen: Es ist auch wirtschaftlich vertretbar, den globalen Ausstoß von Treibhausgasen bis Mitte des Jahrhunderts um 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken und so den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Dies sei aber notwendig, um den Klimawandel wirksam einzudämmen, fanden die Forscher heraus. Die Kosten dafür lägen bei durchschnittlich einem Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die ökonomischen Folgen eines ungebremsten Klimawandels hingegen wären um ein Vielfaches höher: Es drohen Klimaschäden, die über zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmachen könnten.

"Wir werden die Folgen des Klimawandels nur abwenden, falls wir das Zwei-Grad-Ziel auch international festschreiben. Wir haben schon jetzt das Wissen, die Technik und das Können, um uns rasch und effektiv vor dem Klimawandel zu schützen. Jetzt heißt es: Schluss mit dem Zögern", kommentierte der Präsident des UBA, Prof. Dr. Andreas Troge.

Auf dem internationalen Workshop diskutieren Experten zusammen mit Wirtschaftsvertretern und politischen Entscheidungsträgern neue Wirtschaftsszenarien. Die aktuellen Berechnungen zeigen laut UBA: Bisherige Modelle unterschätzen häufig die großen Potentiale für Kostensenkungen als Folge des technischen Fortschritts. Je mehr Staaten schneller in den Klimaschutz investieren, desto stärker sinken die Kosten für bewährte und für neue Klimaschutztechniken. Anspruchsvolle Treibhausgasminderungen lassen sich also viel kostengünstiger verwirklichen, als bisher angenommen.

Da die Nutzung der Techniken in verschiedenen Regionen der Welt sehr unterschiedlich ist, müsse sich die Analyse in Zukunft stärker auf einzelne Regionen oder Länder konzentrieren, lautete eine Schlussfolgerung der Tagung. Einige der in Potsdam diskutierten Modelle liefern bereits erste Ergebnisse zu den wirtschaftlichen Konsequenzen regionaler oder lokaler Klimaschutzanstrengungen. Derartige Fragen soll ein Forschungsprojekt weiter vertiefen, das das PIK Potsdam derzeit für das UBA durchführt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die notwenigen Investitionen und Finanzierungsmodelle für wichtige Weltregionen - wie China - gerichtet.