Fernsehtipp

TV-Doku mit Blick hinter die Kulissen der Atomindustrie

Der Film "Totgesagte leben länger" biete Einblicke ins Innere der deutschen Atomindustrie, versprechen die Macher. Die ZDF-Dokumentation über das Comeback der Kernkraft, die auch ganz konkrete Folgen eines möglichen Ausstiegs beleuchten will, läuft am späten Mittwochabend.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Mainz (red) - "Totgesagte leben länger" heißt eine ZDF-Dokumentation über das Comeback der Atomkraft, die am Mittwoch, 16. Juni 2010, 0.00 Uhr, ausgestrahlt wird. Die ZDF-Autoren Ulrike Brödermann und Michael Strompen beschäftigen sich mit der Frage, ob der Atomausstieg tatsächlich beschlossene Sache ist. Dies sagt zumindest Bundesumweltminister Norbert Röttgen: "Kernenergie kann man auf Dauer nur nutzen, wenn eine Mehrheit der Menschen sie akzeptiert. Das ist seit Jahrzehnten nicht der Fall." Atomkraft sei nichts anderes mehr, als eine "Brückentechnologie".

Wie sieht er aus, der langsame Ausstieg aus der Atomkraft? Werden Werke geschlossen? Sozialpläne ausgehandelt? Der Rückbau vorbereitet? Die Autoren haben bei Politik und Wirtschaft nachgefragt, mit Atomkraftkritikern gesprochen, Konferenzen über Energiefragen besucht und vertrauliche Dokumente ausgewertet.

Die Welt setzt auf Kernenergie. Das Ausmaß ist umstritten, doch sicher ist: Kernkraft wird es noch auf Jahrzehnte geben. Unabhängig, ja scheinbar unberührt von der Debatte über den allmählichen Ausstieg sind deutsche Nuklear-Unternehmen und Banken an dieser Entwicklung beteiligt. Der Strombedarf wird weltweit bis 2050 um 60 Prozent steigen. Saubere, billige und klimafreundliche Lösungen müssen her.

In anderen Ländern Europas ist die Kehrtwende besonders offensichtlich: Finnland baut ebenso wie Frankreich ein neues Kernkraftwerk. Auch andere Regierungen haben den Neubau bereits beschlossen, darunter Großbritannien, Italien, Polen und die Türkei. In Ländern wie den Niederlanden, Spanien oder Schweden rückt der Ausstieg aus dem Ausstieg näher.

In Deutschland beschränkt sich die Diskussion oft allein auf die Laufzeitverlängerung. Kaum jemand nimmt, nach den Recherchen der Autoren, Notiz davon, wie wichtig die deutsche Nuklearindustrie etwa im Bereich Urananreicherung, Brennelementherstellung und Bau neuer Meiler für den Weltmarkt ist. Und die Interessenvertreter arbeiten optimistisch daran, dass der Motor der Atomwirtschaft am Standort Deutschland weiterläuft - mit Unterstützung der Politik.