Einschränkungen

Trockenheit bereitet auch der Stromwirtschaft Probleme

Die anhaltende Trockenheit in Deutschland macht der Industrie wachsende Probleme. Die großen Chemie- und Stahlwerke am Rhein sehen sich angesichts des historischen Niedrigwassers immer größeren logistischen Herausforderungen ausgesetzt. In den Wasserkraftwerken wird deutlich weniger Strom produziert als in "normalen Jahren".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Kritisch ist die Situation aber nach Einschätzung der meisten Unternehmen noch nicht. Dennoch: "Die Lage ist angespannt. Die Binnenschiffe auf dem Rhein können wegen des niedrigen Wasserstandes teilweise nur noch ein Siebtel des normalen Ladevolumens transportieren", beschreibt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt, Jens Schwanen, die Situation. Die Folge: Die Transportkapazitäten werden knapp, und die Kosten steigen.

Unternehmen haben sich gut vorbereitet

Das trifft etwa Deutschlands größten Stahlproduzenten ThyssenKrupp, dessen große Stahlwerke am Rhein aus Rotterdam mit Erz und Kokskohle beliefert werden. Um die benötigen Rohstoffe zu den Hochöfen zu bringen, müsse der Konzern zurzeit zusätzliche Schiffe chartern, berichtet ein Sprecher.

Kritisch sei die Situation aktuell noch nicht. "Unsere Vorratslager sind noch so gut gefüllt, dass wir ohne Einschränkungen über die Runden kommen", sagt er. Aber wenn die Trockenheit noch erheblich länger anhalte, könne es schon bedrohlich werden. Denn angesichts eines Rohstoffbedarfs von 22 Millionen Tonnen im Jahr kann der Stahlkonzern nur sehr bedingt auf Bahn oder Lkw ausweichen.

Auch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer muss zur Aufrechterhaltung seiner Kunststoffproduktion in Leverkusen, Dormagen und Uerdingen derzeit logistische Schwerstarbeit leisten. Deutlich mehr Schiffe müssen für den Transport besorgt und abgefertigt werden. Außerdem hat der Konzern einen Teil der Transporte auf Bahn und Lastwagen verlagert. Dennoch zeigt sich ein Unternehmenssprecher gelassen: "Wir haben das im Griff."

Weniger Strom aus Wasserkraftwerken

Der benachbarte Spezialchemiehersteller Lanxess hat wegen des Niedrigwassers seine Landebrücken verlängert, um den Schiffen das Anlegen zu erleichtern. Die Produktion sei aber bislang nicht beeinträchtigt. "Was aktuell an Auftragen anliegt, können wir abarbeiten", sagt ein Sprecher. Ohnehin ist das vierte Quartal bei Lanxess traditionell von einer etwas schwächeren Auslastung geprägt.

Auch der Mineralölkonzern BP, der mit seiner Tankstellenkette Aral Marktführer in Deutschland ist, klagt über die gestiegenen Kosten für den Mineralöltransport. Dies wirke sich auch auf die Preise an den Tankstellen aus, sagt ein Sprecher.

Doch nicht nur die großen Stahl- und Chemieunternehmen leiden unter dem Niedrigwasser, auch die großen Stromproduzenten spüren die Folgen der Trockenheit. Der Essener Stromkonzern RWE produzierte in diesem Jahr bislang in seinen Laufwasserkraftwerken nach eigenen Angaben rund 20 Prozent weniger Strom als in einem Durchschnittsjahr. Der baden-württembergische Stromkonzern EnBW spricht von aktuellen Leistungseinbußen von bis zu 25 Prozent.

Und auch bei E.on liefern die Wasserkraftwerke weniger Strom als normal. Versorgungsengpässe seien deshalb aber nicht zu befürchten, heißt es bei Deutschlands größtem Energieversorger. "Das ist alles noch im grünen Bereich."

Ohnehin machen die jüngsten Wettervorhersagen Hoffnung auf Besserung. Regenfälle im Süden Deutschlands und im Alpenraum könnten danach schon in der nächsten Woche die Wasserstände am Mittel- und Niederrhein wieder steigen lassen.