Arbeitsplätze gefährdet

Trittin warnt vor Rolle rückwärts in Energiepolitik

Was passiert mit der Förderung erneuerbarer Energien falls CDU und FDP im September an die Macht kommen? In der Branche herrscht Unruhe, Umweltminister Trittin warnte vor Rückschritten, Naturschützer sehen keine Alternativen zu Sonne, Wind und Wasser. CDU und FDP wollen mindestens die Wirtschaftlichkeit überprüfen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover (ddp/sm) - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warnt die Opposition vor einer Rolle rückwärts in der Energiepolitik. Deren Aussagen für den Fall eines Sieges bei der bevorstehenden Bundestagswahl bedeuteten längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, mehr Atommüll und einen gebremsten Ausbau erneuerbarer Energien, sagte Trittin am Freitag zum Start einer Windkraft-Informationskampagne des Deutschen Naturschutzrings (DNR) in Hannover. Allein durch einen möglichen Auftragseinbruch beim geplanten Ausbau von Offshore-Windkraftanlagen wären bis zu 15 000 Arbeitsplätze gefährdet, sagte Trittin.

Der DNR als Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände will mit seiner Kampagne für den weiteren umwelt- und naturverträglichen Ausbau der Windenergie in Deutschland werben. Bis 2050 dürften nur noch 20 Prozent der Menge an Treibhausgasen des Jahres 1990 in die Atmosphäre geblasen werden, sagte DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen. Dies gehe nur, wenn der heutige Energieverbrauch halbiert werde.

Zugleich berge die Nutzung der Windenergie im Gegensatz zur Atomkraft keine elementaren Gefahren für Menschen und Umwelt. Röscheisen räumte ein, dass Windkraftanlagen das Landschaftsbild beeinträchtigen können. Allerdings sei die Kulturlandschaft bereits in hohem Maß durch Siedlungen und Infrastruktur geprägt. Er stellte klar, dass die Windenergienutzung für die Vogelwelt kein großes Problem darstellt.

"Zu einem klimaschonenden Umbau unserer Energieversorgung mit stetig steigendem Anteil an erneuerbaren Energien gibt es keine Alternative", teilte zuvor auch NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller mit. "Wer mit Forderungen nach Kürzungen und neuen Förderinstrumenten den Aufschwung bei den erneuerbaren Energien gefährdet, riskiert einen folgenschweren Fadenabriss in der einzigen wirklichen Wachstumsbranche, die wir haben." Auch aus klimapolitischer Sicht gebe es nach Auffassung des NABU keine Alternative zum eingeschlagenen Pfad.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Dr. Peter Paziorek, hingegen verlangte einen "sinnvollen Rahmen" bei der Förderung erneuerbarer Energien. Eine Überprüfung der Förderung auf Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit bedeute keine Abkehr von den erneuerbaren Energien oder gar den Versuch, diese in ein Schattendasein zu verbannen. "Mit Blick auf Ressourcenschonung, Technologieentwicklung und Klimaschutz kann auf die erneuerbaren Energien nicht verzichtet werden."

Eine "Panikmache" in der Branche wollen auch die Liberalen vermeiden. "Wir wollen die verschiedenen Energiearten in einen Wettbewerb um den günstigsten Klimaschutz stellen. Welche Anwendungen und Energiearten das Rennen machen, muss sich im Rahmen von Ausschreibungsverfahren erweisen. Parallel soll es eine Forschungs- und Technikförderung geben", sagte die Sprecherin für Erneuerbare Energien der FDP-Bundestagsfraktion, Angelika Brunkhorst. Deutschland müsse davon Abstand nehmen, Klimaschutz nur national zu betrachten. Die Weichen müssten für internationale Klimaprojekte gestellt werden und die Techniken dort zum Einsatz kommen, wo Windleistungen und Sonnenerträge höher sind.