Wahlkampf oder Fakt?

Trittin und RWE-Chef Roels: Im Clinch wegen teurer Energie

Das ist ja nichts Neues: Umweltminister Trittin streitet sich mit der Energiewirtschaft, aktuell mit dem Chef des größten deutschen Energiekonzerns RWE, Harry Roels. Von ihm erbat der Grüne kürzlich eine Stellungnahme zu der Aussage, der Emissionshandel würde die Energiepreise verteuern. Die Antwort kam postwendend.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Düsseldorf (red) - RWE-Chef Harry Roels ist sauer. Seiner Meinung nach missbraucht Umweltminister Jürgen Trittin die derzeit steigenden Energiepreise zu Wahlkampfzwecken. Er verbitte sich "einfache Schuldzuweisungen", schrieb der Energiemanager daher in einem Brief an den Politiker. Sie würden zwar für den laufenden Wahlkampf günstig erscheinen, in der Sache den ökonomischen Erfordernissen sowie den Markterfordernissen nicht gerecht werden, zitiert u.a. das "Handelsblatt" heute aus dem Schriftstück.

Stein des Anstoßes ist die Auffassung des Grünen-Ministers, dass der (zu Jahresbeginn eingeführte) Handel mit Emissionszertifikaten nicht der Grund für steigende Strom- und Gaspreise sein kann, weil die Energieunternehmen äußerst großzügig mit kostenlosen Zertifkaten ausgestattet worden seien. Eben das hatte RWE jedoch kürzlich als Grund für die Verteuerung angegeben und mitgeteilt, jährlich für 350 Millionen Euro Zertifikate zukaufen zu müssen. Ihm sei keine Anlage bekannt, für die Zertifikate hätten zugekauft werden müssen, antwortete indes der Minister im "Handelsblatt". Vor einigen Tagen hatte er den Energieriesen schriftlich um eine Stellungnahme gebeten, die Antwort von Roels kam postwendend.

Bereits zu Beginn des Handels habe es aus politischen Gründen Zertifikate für 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu wenig gegeben, schrieb Roels. Zudem verschärfe sich die Situation durch den steigenden Stromverbrauch, der steigenden Gaspreise und der Witterung, argumentierte Roels weiter. Hinzu käme, dass eine "Einpreisung" der Zertifikate ja auch politisch gewünscht sei.

Die Verteuerung von Energie ist in den letzten Wochen auch deshalb so aktuell geworden, weil die energieintensive Industrie aus der Stahl-, Alu-, Zement- oder Papierbranche ihre Existenzangst öffentlich machte. Der Vorstandsvorsitzende des größten europäischen Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie, Werner Marnette, legte sogar sein Amt im BDI-Energieausschuss nieder, weil er sich mit seinen Äußerungen nicht mehr zurückhalten wollte.

Fakt ist, dass die Stromgroßhandelspreise derzeit so hoch sind wie nie, und dass auch die Preise im Emissionshandel stiegen. Momentan kostet ein Kohlendioxidzertifikat 23 Euro, das ist knapp drei mal so hoch wie zu Beginn des Jahres. Daher wurden in den vergangenen Wochen auch Vorwürfe laut, die vier großen Stromanbieter E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall würden die Preise mit gezielten Aktivitäten manipulieren. Roels wies das entschieden zurück, die Strompreise seien Marktpreise, die von Angebot und Nachfrage bestimmt würden, zitiert das "Handelsblatt" aus dem Brief.

Trittin will sich dennoch weiterhin auch dafür einsetzen, dass auch die Netznutzungsentgelte in Deutschland sinken.

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