Umschaltfest am AKW Obrigheim

Trittin sieht Atomausstieg auf gutem Weg

Wohl in der kommenden Woche dürfte das Kernkraftwerk Obrigheim in Baden-Württemberg seine letzte Kilowattstunde Strom produziert haben und für immer vom Netz gehen. Für die Grünen ist das absehbare Aus des ältesten AKW in der Republik Anlass zur Freude, sie feierten gestern ein umstrittenes "Umschaltfest".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Mosbach (ddp/sm) - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sieht den 2001 vereinbarten Ausstieg aus der Atomenergie auf einem guten Weg. Mit der Abschaltung des Atomkraftwerks Obrigheim Anfang Mai werde der eingeschlagene Weg fortgesetzt, sagte Trittin am Montagabend im baden-württembergischen Mosbach. Die Stilllegung sei eine weitere Etappe hin zu einer modernen Energieversorgung.

Trittin verwies darauf, dass von der festgelegten Reststrommenge von insgesamt 2623 Terawattstunden für alle deutschen Atomkraftwerke bereits jetzt ein Drittel "abgearbeitet" sei. Zugleich hob er die Bedeutung des Atomkonsenses als kalkulierbare Rahmenbedingung für Investitionen hervor. Inzwischen seien aus dem In- und Ausland 19 Milliarden Euro Investitionen für hochmoderne Kraftwerke in Deutschland angekündigt.

Trittin nahm am Abend als Hauptredner an einem "Umschaltfest" seiner Partei anlässlich der für Anfang Mai geplanten Abschaltung des Kernkraftwerks Obrigheim teil. Zu der Feier wurden über 200 Gäste erwartet, darunter auch der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn. Die baden-württembergische Landesregierung hatte das Fest im Vorfeld mit Blick auf den Arbeitsplatzverlust in Obrigheim als geschmacklos kritisiert.

Das AKW Obrigheim im Neckar-Odenwald-Kreis ist das älteste Kernkraftwerk in Deutschland. Es wurde 1968 in Betrieb genommen. Ursprünglich sollte es bereits zum Jahreswechsel 2002/2003 noch vor dem AKW Stade vom Netz gehen, das im November 2003 heruntergefahren wurde. In einer Zusatzvereinbarung wurde der Betreiberfirma EnBW aber eine Strommengenübertragung vom AKW Philippsburg auf Obrigheim und damit eine Laufzeitverlängerung zugestanden.

Anfang Mai wird das zwischen Wiesen und Neckar gelegene Kernkraftwerk nun abgeschaltet - an welchem Tag genau, ließ die EnWB bislang offen. Direkt und indirekt sorgte der Meiler für fast 800 Arbeitsplätze in der Region. Von den heute noch 290 festen Stellen im AKW selbst sollen zwar auch in den kommenden Jahren 160 bis 180 bestehen bleiben, damit der Rückbau des Kraftwerks bewerkstelligt werden kann. Aber Aufträge an Zulieferer in der Umgebung dürften der Vergangenheit angehören.