Interview

Trittin fordert "Brücke ins Solarzeitalter"

Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin warnt davor, beim Klimaschutz künftig nur noch auf erneuerbare Energien zu setzen, ohne über eine weltweite Übergangsstrategie nachzudenken. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp in Berlin forderte er ein Denken "über Europa hinaus".

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Berlin (ddp/sm) - Als früherer Bundesumweltminister sei er dafür verantwortlich, "dass Deutschland weltweit den größten Boom bei erneuerbaren Energien erlebt", sagte Trittin. Dies lasse sich auch noch erheblich steigern. Es nutze allerdings nichts, "wenn Deutschland zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umstellt, aber gleichzeitig in China weiterhin jede Woche ein 1000-Megawatt-Kohlekraftwerk ans Netz geht", mahnte er. Für das Weltklima wäre das Problem damit vergrößert.

Trittin reagierte damit auf einen Antrag des Grünen-Energieexperten Hans-Josef Fell zum bevorstehenden Bundesparteitag für eine "Nullemissionsstrategie" zur vollständigen Umstellung auf regenerative Energien. Der Fraktionsvize hielt dem entgegen, dass Europa für eine Übergangszeit auch über Gas und CO2-freie Kohletechnologien nachdenken und beim Klimaschutz auch einen "Technologietransfer für Schwellen- und Entwicklungsländer" organisieren müsse, um dem wachsenden CO2-Ausstoß in diesen Staaten zu begegnen.

Die zweite Herausforderung seien die eigenen Klimaschutzziele, fügte der Grünen-Politiker hinzu. Nach einem Gutachten des Öko-Instituts könne Europa bei gleichzeitigem Festhalten am Atomausstieg 30 Prozent seiner Treibhausgas-Emissionen bis 2020 einsparen und bis 2030 sogar 40 Prozent. Voraussetzung sei aber in einer Übergangsphase ein höherer Gas-Anteil an der Energieversorgung. Zudem müssten Technologien für CO2-freie Kohlekraftwerke "nicht nur entwickelt, sondern auch wettbewerbsfähig gemacht" werden.

Man müsse "eine technologische Brücke ins Solarzeitalter bauen, um das Nullemissionsziel zu erreichen", mahnte Trittin. Andernfalls drohe man in der Klimaschutzdebatte auch den Befürwortern der Atomenergie "in die Karten zu spielen".