Wasservorrat

Trinkwasserversorgung trotz Hitze kein Problem

Deutschland schwitzt, auch in den nächsten Tagen - mancherorts steigen die Temperaturen auf weit mehr als 30 Grad. Zwar wird überall mehr Wasser benötigt, doch die Vorräte im Land sind groß. Das Trinkwasser wird nicht knapp, auch bei den andauernden hohen Temperaturen nicht, verspricht die Wasserwirtschaft.

Wasserhahn© George Dolgikh / Fotolia.com

Essen (dpa/red) - Seit Wochen umarmt der Sommer das ganze Land: Die Sonne scheint häufig, die Werte auf dem Thermometer sollen die 30 Grad weiterhin übersteigen. Mit der Hitze wächst allerdings der Wasserverbrauch: Die Blumen im Garten lechzen danach, Kinder wollen im Schwimmbecken planschen, und viele Menschen trinken mehr.

Wie stark der Wasserverbrauch an heißen Tagen steigt, wissen am besten die Wasserwerke. Trinkwasserversorgung ist in Deutschland Sache der Gemeinden und Städte. In Haltern am See zwischen Ruhrgebiet und Münsterland etwa speist sie sich aus dem Halterner und dem Hullerner See und liefert Wasser für rund eine Million Einwohner und die Industrie. Wegen der Hitze pumpe das Wasserwerk derzeit pro Tag 340 000 Kubikmeter Wasser ins Netz, sagt die Sprecherin des Betreibers Gelsenwasser, Heidrun Becker. Im Jahresdurchschnitt sind es 250 000 Kubikmeter täglich.

121 Liter Wasser jeden Tag

Wofür die Kunden den Wasserhahn aufdrehen, wird nicht erfasst. Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt täglich 121 Liter Wasser, schätzt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). 43 Liter fließen beim Duschen, 33 Liter spült jeder die Toilette hinunter, 22 Liter schlucken Waschmaschine und Geschirrspüler. Zum Kochen und Trinken nutzt jeder 5 Liter Wasser. Der Rest entfällt auf Dinge wie Putzen oder Autowaschen.

Im Wasserwerk Haltern registriert man bei der Hitze zwischen 16 und 21 Uhr einen deutlich erhöhten Verbrauch. "Das dürfte an der Dusche liegen, die man sich gönnt, oder am Wasser, mit dem der Rasen gesprenkelt wird", sagt Becker. Außerdem zapften die Verbraucher auch mehr Wasser zum Trinken aus der Leitung.

Zuständige Stellen beruhigen

Wird bei den hohen Temperaturen das Wasser also knapp? Nein, sagt eine Sprecherin des Ruhrverbands. Das öffentlich-rechtliche Unternehmen betreibt entlang der Ruhr zwischen Duisburg und Dortmund das größte zusammenhängende Talsperrensystem Deutschlands und leitet Wasser für 4,6 Millionen Menschen zu. "Es kann den ganzen Sommer die Sonne scheinen, ohne dass wir Probleme bekommen." Die acht vom Ruhrverband betriebenen Talsperren seien derzeit zu 84 Prozent gefüllt. Für ganz Deutschland beruhigt Stephan Gabriel Haufe vom Bundesumweltamt: "Das Trinkwasser wird nicht knapp."

Nach Zahlen des Verbandes BDEW und des Statistischen Bundesamtes stehen theoretisch 188 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr in Deutschland zur Verfügung. Davon werden aber nur 17 Prozent in die Leitungen gepumpt. Mit 27 Milliarden Kubikmetern Wasser geht das Gros an die Industrie und wird als Kühlwasser für Kraftwerke genutzt. Fünf Milliarden Kubikmeter Wasser werden pro Jahr an Haushalte und Kleingewerbe abgegeben.

Wo das Wasser herkommt

70 Prozent kommt als Grund- oder Quellwasser aus der Erde - nur 30 Prozent ist Oberflächenwasser, also zum Beispiel See- und Talsperrenwasser. Regional gibt es große Unterschiede: Bremen und Hamburg etwa fördern nur Grundwasser, Thüringen und das Saarland schöpfen die Hälfte ihres Trinkwassers aus Seen und Talsperren ab.

Ihren Durst löschen die Deutschen neben Wasser aus dem Hahn übrigens vor allem mit Mineralwasser. Das ist bei der Hitze gefragt, wie das Beispiel Rewe zeigt: Laut einem Sprecher der Supermarktkette wird in einem heißen Monat wie dem Juli 25 Prozent mehr Mineral- und Sprudelwasser verkauft.

Quelle: DPA