Handel mit Zertifikaten

Tricksereien mit Ökostrom geraten in die Kritik

Verbraucherschützer und Energieexperten kritisieren die legale Praxis der Umbenennung von Atom- oder Kohlestrom in Ökoenergie. Mit diesem Trick würden ganze Städte auf einmal scheinbar mit Ökostrom versorgt, bemängelte Thorsten Kasper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen dem "Spiegel".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Der Energieexperte Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sprach von einer "Täuschung des Verbrauchers".

Grundlage für die Umbenennung ist dem Magazin zufolge das "Renewable Energy Certificate System" (RECS), das in etlichen europäischen Ländern einen für Stromkunden wenig transparenten Tausch ermöglicht. Ein deutscher Versorger kaufe beispielsweise Atomstrom an der Börse für sieben Cent je Kilowattstunde. Den veredele er dann für 0,05 Cent mit einem Öko-Zertifikat eines norwegischen Wasserkraftwerks. Dessen Betreiber müsse die entsprechende Menge seines Ökostroms dann in konventionellen umetikettieren. Im Gegenzug dürfe der deutsche Versorger seinen Atomstrom als Ökostrom verkaufen.