Lubminer Kohlekraftwerk

Tourismus-Chef erntet mit Kraftwerksvotum heftige Kritik

Der Präsident des Landestourismusverbandes, Mathias Löttge (CDU), stößt mit seinem klaren Votum für den Bau des umstrittenen Steinkohlekraftwerks in Lubmin auf heftigen Widerstand innerhalb seiner Organisation. Ein Gutachten warne schließlich vor den Folgen des Kraftwerkbaues im Tourismusgewerbe.

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Bergen (ddp-nrd/sm) - Wenn Löttge behaupte, dass laut Gutachten keine Beeinträchtigung für den Tourismus zu erwarten sei, dann habe er die Studie offenbar gar nicht gelesen, kritisierte der Vorstandschef des Tourismusverbandes Rügen, Thomas Wuitschik (CDU). Vielmehr warne das von Wissenschaftlern aus Rostock und Lüneburg erstellte Gutachten vor einem Imagerisiko für die gesamte Region, sagte Wuitschik. Für den Südost-Teil von Rügen erwarteten die Experten sogar Schäden für das Gastgewerbe. "Ich frage mich, ob Herr Löttge mit seinen Äußerungen noch die Interessen der Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern vertritt oder inzwischen vielmehr nur noch Lobbyist eines Energieunternehmens ist", sagte Wuitschik.

Für ihn sei die Position des Rostocker Tourismus-Chefs nicht mehr nachvollziehbar. Auf der einen Seite befürworte er ein überdimensioniertes Kraftwerk, auf der anderen Seite bereite er derzeit die Herausgabe einer 35.000 Euro kostenden Imagebroschüre vor, mit der das Land mit sauberer Luft für einen kohlendioxidfreien Urlaub wirbt. "Das passt doch nicht zusammen", sagte Wuitschik. Es stimme nicht, dass die Region schlecht geredet werde. Vielmehr teile eine klare Mehrheit in der Bevölkerung und auch in der CDU die Auffassung, dass das Kraftwerk den Ferienregionen schaden werde. Im Südosten Rügens zum Beispiel würden inzwischen erste Investoren ihre Ferienwohnungen zum Verkauf anbieten, weil sie Einbußen befürchteten.

Löttge hatte sich kürzlich am Rande einer CDU-Landtagsfraktionssitzung in Lubmin hinter das Kraftwerksprojekt des dänischen Unternehmens Dong Energy gestellt. Er sagte, er sehe durch den Kraftwerksbau keinen Konflikt für Rügen. Zudem würden sich für Lubmin neue Chancen im Geschäftstourismus bieten.