Arbeitsunfall

Tote und Verletzte bei Einsturz auf RWE-Kraftwerksbaustelle

Bei einem schweren Unfall auf der Großbaustelle des neuen RWE-Kraftwerks in Grevenbroich-Neurath sind am Donnerstag mehrere Menschen getötet oder verletzt worden. Nach Angaben des Unternehmens war ein Hilfsgerüst zum Bau eines Großkessels eingestürzt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Grevenbroich (ddp-nrw/sm) - Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Freitagmorgen die Ermittlungen vor Ort aufgenommen. Wie ein RWE-Sprecher mitteilte, ruhen die am Donnerstagabend unterbrochenen Bergungsarbeiten bis zum Abschluss der Untersuchungen. Wann die Bergung wieder anläuft, sei derzeit noch unklar.

Die Behörden haben unterdessen die Zahl der Toten nach unten korrigiert. "Wir gehen jetzt von drei Getöteten aus", sagte ein Sprecher des Rhein-Kreises Neuss auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp. Ursprünglich hatten die Behörden berichtet, dass bei dem Unfall am Donnerstag fünf Montagearbeiter getötet und sechs Personen schwer verletzt worden waren.

An der Unfallstelle befanden sich insgesamt rund 300 Rettungskräfte des Rhein-Kreises Neuss mit Unterstützung der Berufsfeuerwehren Düsseldorf und Köln, darunter auch Experten für Höhenrettung. Rund 20 Ärzte und mehrere Rettungshubschrauber waren nach Behördenangaben im Einsatz. Seelsorger und Psychologen kümmerten sich in einem Zelt um die Angehörigen der Opfer. Die Bergungsarbeiten werden derzeit weiter fortgesetzt.

Ursache bislang ungeklärt

Laut RWE hatte sich gegen 16.50 Uhr aus ungeklärter Ursache eine sogenannte Seitenwandbandage, ein Teilstück des Großkessels des Kraftwerks, gelöst und war aus rund 100 Metern zu Boden gestürzt. Das Konstrukt aus mehreren Stahlträgern hat ein Gewicht von mehr als 100 Tonnen. Die herabstürzenden Gerüstteile zum Bau des Kraftwerkskessels verschütteten mehrere Arbeiter. "Das ist ein schrecklicher Unfall", sagte Johannes Lambertz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG, beim einem Besuch des Unglücksortes.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zeigte sich erschüttert über den schweren Bauunfall. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht fuhr er zum Unglücksort. Vor Ort sprach er den Betroffenen und An­gehörigen sein Beileid aus. "Ich bin mit Gedanken in dieser schweren und tragischen Stunde bei Ihnen. Den Hinterbliebenen der Opfer gilt mein Mitgefühl", sagte er.

Ende 2009 sollte der erste Kraftwerksblock in Betrieb gehen. Die Baukosten für das Braunkohlekraftwerk belaufen sich laut RWE auf 2,2 Milliarden Euro. Das Projekt galt als eines der modernsten Kraftwerksbauten des Essener Energiekonzerns. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und NRW-Regierungschef Rüttgers war im August 2006 der Grundstein für das Bauwerk gelegt worden.