Kritik

Töpfer sieht Deutschland weiter als Klimasünder

Der ehemalige Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, fordert von Deutschland mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Es gebe einen erheblichen Widerspruch zwischen Anspruch und Handeln, sagte er der "Welt am Sonntag". "Die Deutschen belasten weiterhin ganz erheblich das Klima", kritisiert er.

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Berlin (ddp/sm) - Jeder Deutsche erzeuge im Schnitt pro Jahr zehn Tonnen des Klimagases Kohlendioxid, kritisierte der frühere Bundesumweltminister. Damit lägen die Deutschen zwar nur halb so hoch wie die Amerikaner, weltweit aber in der Spitzengruppe. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Franzosen liege unter sieben Tonnen, in China seien es drei und in Indien eine Tonne CO2 pro Kopf. Der größte Teil der Reduzierung an Treibhausgasen in Deutschland gehe auf die Sanierung des Energiesektors im Osten zurück.

"Deutschland muss daher seine Emissionen massiv um 60 bis 80 Prozent senken", forderte Töpfer. Dringend notwendig seien "revolutionäre Veränderungen im Energieverbrauch in Wirtschaft und Gesellschaft." Bei der Energieerzeugung könne etwa ein um einen Prozentpunkt gesteigerter Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken 100.000 Tonnen Braunkohle einsparen. Häuser müssten saniert und der Schadstoffausstoß der Fahrzeuge reduziert werden. Zudem müsse viel mehr Gütertransport auf die Schiene verlagert werden.

Eine Rückkehr zur Atomenergie lehnt Töpfer ab. "Wir müssen im Gegenteil alles daransetzen, weltweit eine Zukunft ohne Kernenergie zu schaffen", sagte der CDU-Politiker.