Trauerkundgebung im Wendland

Tödlicher Unfall bei Castor-Transport

In Ostfrankreich ereignete sich gestern der schwerste Unfall in der Geschichte der Proteste gegen die Castor-Transporte: Ein 21-jähriger Franzose wurde überrollt, weil er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte und die eingeleitete Notbremsung den 400 Meter langen Konvoi nicht rechtzeitig zum Stehen brachte.

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Nancy/Dannenberg (red) - Die Proteste gegen den Transport von Atommüll haben gestern ihr erstes Todesopfer gefordert: In der Nähe der lothringischen Ortschaft Avricourt wurde ein 21-jähriger Aktivist vom Castor-Zug überrollt und verstarb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Während sich Umweltminister Jürgen Trittin und zahlreiche Umweltschützer "bestürzt" zeigten und gestern Abend eine Trauerkundgebung im Wendland abhielten, hat der Castor-Transport heute Mittag Lüneburg passiert. Er ist momentan auf dem Weg nach Danneberg, von wo der Transport ins 19 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben auf der Straße weitergeht.

Die genauen Umstände des Zwischenfalls in Frankreich sind noch nicht abschließend geklärt. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der junge Mann mit einigen anderen Atomkraftgegnern unmittelbar hinter einer Gleiskurve angekettet, die Warnung an den Zugführer kam offensichtlich zu spät. Die Notbremsung stoppte den hundert Stundenkilometer schnellen Zug nicht rechtzeitig, der Junge war der einzige, der sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnte. Gerüchten zufolge sei der Hubschrauber, der normalerweise die Gleise überwache, zu diesem Zeitpunkt beim Auftanken gewesen.

Der von zwei Lokomotiven gezogene Konvoi ist knapp 400 Meter lang und über 2000 Tonnen schwer. Beladen mit radioaktivem Müll ist er auf dem Weg von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague zum Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben.

"Ich bin bestürzt und entsetzt darüber, dass ein junger Demonstrant beim Protest gegen den Castor-Transport in Frankreich zu Tode gekommen ist. Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und Freunden. Ich habe dieses auch meinem französischen Kollegen Serge Lepeltier in einem Telefonat übermittelt. Ich erwarte, dass Umstände und Verantwortlichkeiten für diesen tragischen Unfall lückenlos aufgeklärt werden. Was immer die Aufklärung der Umstände zutage fördern wird: Der Tod des jungen Demonstranten mahnt alle Beteiligten zur Besonnenheit. Kein Ziel rechtfertigt es, das eigene Leben oder die Gesundheit anderer zu gefährden", teilte Umweltminister Jürgen Trittin heute mit.