Wärmebildaufnahmen

Thermografie: Energetische Schwachstellen am Gebäude erkennen

Die Energiepreise tendieren langfristig weiter nach oben. Mit den Kosten für Öl, Gas und Kohle steigen auch die Ansprüche an möglichst lückenlos energiesparende Häuser und Wohnungen. Um Isolationslöcher in der Gebäudehülle zu orten, durch die kostbare Wärme verloren geht, hat sich die Technik der Thermografie in den vergangenen Jahren etabliert.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Tabarz (ddp/sm) - Thermografie bedeutet "Wärmebildtechnik". Eine Infrarotkamera wandelt die von einem Sensor aufgenommene Wärmestrahlung eines Gebäudes in ein verschiedenfarbiges Wärmebild (Thermogramm) um. Darauf sind die Temperaturen der Fassade mit unterschiedichen Farben kenntlich gemacht. So ist abzulesen, an welchen Teilen der Gebäudeoberfläche mehr und an welchen weniger Wärme vorhanden ist und möglicherweise von innen austritt.

Etwa 30 Prozent der verlorenen Wärme eines nicht gedämmten Einfamilienhauses entweicht durch das Dach, 35 Prozent durch die Wände, 25 Prozent durch die Fenster und 10 Prozent vom Keller in den Boden, wie Energieberater Michael Hell von der Verbraucherzentrale Hamburg erläutert.

Auch ohne Thermografie lassen sich Wärmelöcher finden

Einzelne energetische Schwachstellen lassen sich nach seinen Worten oftmals auch ohne thermografische Untersuchung ausmachen: "Die einfachste Prüfungsmöglichkeit bietet sich bei Schnee oder Rauhreif auf dem Dach. Bilden sich kahle Flecken in der Schicht, ist dort ein Wärmeloch."

Zugluft im Haus und auffallend kühle Ecken sind ebenfalls Hinweise auf Isolationslücken; wer es genauer wissen will, misst an den betreffenden Stellen im Haus die Temperaturen. Gleichwohl gibt es auch Wärmelöcher, deren Entdeckung allein dem Infrarotbild zu verdanken sind. Das ist etwa der Fall, wenn Dämmplatten in der Wand verrutscht oder durch Risse im Mauerwerk mit Wasser vollgesogen sind, wie Michael Hell schildert.

Thermografie fachgerecht durchführen lassen

"Voraussetzung für eine aussagekräftige thermografische Untersuchung ist, dass diese Technik fachgerecht und gewissenhaft ausgeführt wird", sagt Diplom-Ingenieur Dieter Blaschke, Geschäftsführer beim Bundesverband für Angewandte Thermografie (VATh) im thüringischen Tabarz. Wenig aussagekräftig seien alleinige Außenaufnahmen des Gebäudes, wie sie oftmals im Zuge kostengünstiger "Thermografieaktionen" von Kommunen oder Energieversorgern angeboten werden, warnt der Experte: "Um brauchbare Ergebnisse zu erzielen, muss unbedingt innen gemessen werden", rät Blaschke. Im Dachbereich etwa würden die meisten Wärmedurchlässe erst dann zu sehen sein.

Unverzichtbar, laut Blaschke, sei die Infrarot-Untersuchung von innen, wenn die Außenwände nicht massiv, sondern hinterlüftet sind: "Eine Außenthermografie zeigt dann keinen Wärmeaustritt an." Eine fundierte thermografische Untersuchung nimmt nach Angaben des Experten mehrere Stunden in Anspruch und kostet einschließlich fachkundiger Auswertung ab 400 Euro.

Auch für Energie-Experte Michael Hell ist das simple Außenwärmebild, das bei Trockenheit, ohne Sonneneinstrahlung und wegen des erforderlichen Temperaturunterschieds in den Wintermonaten erstellt werden muss, nur eine erste Orientierung: "Bei der Fassade können Heizungsstränge und Schränke zu Fehldeutungen führen. Außerdem speicherten verschiedene Baumaterialien die Wärme unterschiedlich - bei Temperaturdifferenzen handele es sich also nicht zwangsläufig um Schäden." Eine fachkundige Auswertung sei daher nötig, sagt Hell.

Er empfiehlt als Ergänzung zur thermografischen Messung eine Luftdichtdichtigkeitsprüfung: Bei dieser Methode wird das Haus bei geschlossenen Fenstern und Türen per Ventilator einem Überdruck ausgesetzt und dann die Luftwechselrate innerhalb einer Stunde gemessen. Fällt der Wert zu hoch aus, können mit einer Nebelmaschine die undichten Fugen und Ritzen ermittelt werden. Eine solche Druckmessung wird von vielen Thermografie-Firmen mit angeboten und kostet noch einmal um 250 Euro.

Unabhängigen Energieberater zu Rate ziehen

Geht es auch günstiger? "Thermografie und Luftdichtigkeitsmessung sind nur zwei von vielen Mitteln, die thermische Situation eines Hauses zu untersuchen", sagt Michael Hell von der Verbraucherzentrale. Ein erfahrener Energieberater erkenne auch anhand der verwendeten Materialien, Bauteile und möglicherweise vorhandener Bauunterlagen viele neuralgische Punkte. Vor der konkreten Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen sei daher eine anbieterneutrale Energieberatung empfehlenswert.