Wintertourismus

Thailänder stürmen stromfressende Schneeparks

"Snow Town" nennt sich ein Schneepark im thailändischen Bangkok, der mit großer Begeisterung von den Einheimischen besucht wird. Weniger begeistert von dem Park zeigen sich Umweltschützer. Denn die klimatisierten Indoor-Anlagen fressen Energie in gewaltigen Mengen.

Schnee© Gorilla / Fotolia.com

Bangkok (AFP/red) - Warm eingepackt kreischen begeisterte Besucher der Snow Town auf der Rodelbahn. Andere bauen Schneemänner oder pflügen die Pisten hinunter. "Super", schwärmt der 28-jährige Songphol Taesinlapasathit. "Ich würde am liebsten hier einziehen, um der Hitze zu entkommen." Denn Snow Town ist kein Wintersportgebiet in den Bergen, sondern ein Schneepark im tropischen Bangkok. In Thailands schwülheißer Hauptstadt stehen Winter-Wunderländer hoch im Kurs: Immer mehr Einkaufszentren und Parks bieten Indoor-Eisvergnügen als Kontrast zur Hitze - ohne Rücksicht auf den Energieverbrauch.

Kühlanlagen verbrauchen massig Energie

In einem Land, das mit seinen sonnigen Stränden Millionen Touristen anzieht, tragen viele Einheimische Sonnenschirme, lange Ärmel und breitkrempige Hüte - schließlich gilt hier weiße und nicht braune Haut als Schönheitsideal. Auch der ganzjährigen Hitze wollen viele entfliehen: Zur Kühlung von Einkaufszentren, Büros und Häusern verbraucht das wohlhabende und zunehmend urbanisierte Thailand riesige Mengen Energie - vor allem in Bangkok.

Bangkok verbraucht doppelt soviel Strom wie der Rest des Landes

In der Hauptstadt nutzen die Einwohner nach einer wissenschaftlichen Studie von 2013 durchschnittlich doppelt so viel Strom wie der Rest des Landes. Allein die größten Shopping-Malls fressen einer Untersuchung der regionalen Umweltschutz-Website Mekong Commons zufolge mehr Strom als alle ländlichen Provinzen zusammen.

Der neue Run auf Eis und Schnee treibt den Verbrauch weiter in die Höhe: "Sie verbrauchen wirklich große Mengen Strom", warnt der Experte Gunn Panprayun von der Fakultät für Umwelt und Ressourcen der Mahidol-Universität. "Diese Eis- und Schlittschuh-Bahnen tragen zur Umweltzerstörung bei, weil sie natürliche Ressourcen verbrauchen."

Winter-Tourismus boomt in Thailand

Auch das Harbin Ice Wonderland am Rande Bangkoks erfreut sich großer Beliebtheit. Benannt wurde es nach einer Stadt im Nordosten Chinas, die für ihr alljährliches Eisskulpturen-Festivals berühmt ist. Mehr als 600 Tonnen Eis wurden im Wonderland zu Eiffelturm-Modellen oder Kraken aus buntem Eis verbaut. In seinem Inneren herrschen minus 15 Grad Celsius - 50 Grad weniger als auf den Straßen Bangkoks.

Nicht nur im eigenen Land suchen die Thailänder Winterfreuden. Die Expansion der Billigfluglinien macht für sie auch die Skigebiete der Region erreichbar. Ski-Resorts in den Bergen von Nordjapan, Südkorea und China locken thailändische Urlauber mit dem Versprechen, "echten Schnee" zu bieten. Vor allem Japan profitiert davon: Im vergangenen Jahr reisten nach Angaben des thailändischen Ministeriums für Tourismus und Sport 430.000 Thailänder nach Japan und gaben dort umgerechnet 440 Millionen Euro aus.

Quelle: AFP