E.ON-Tochter

Teurer Strom in Thüringen: Minister rät zu Anbieter-Wechsel

Nachdem E.ON höhere Preise ab Januar 2008 angekündigt hat, gibt der Regionalversorger E.ON Thüringer Energie eine Preissteigerung von 9,6 Prozent bei Strom und 3,4 Prozent bei Gas bekannt. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) kritisierte die Preiserhöhungen als unbegründet.

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Erfurt (ddp-lth/sm) - Die Preise für Strom sollen in der Grundversorgung um 9,6 Prozent steigen, sagte der Vorstandsvorsitzende der E.ON Thüringer Energie, Reimund Gotzel. Im Tarif "Thüringen Strom privat" erhöhten sich die Preise um 4,6 Prozent. Erdgas werde in der Grundversorgung um 3,4 Prozent und im Tarif "Thüringen Gas maxivat" um 2,8 Prozent teurer. Bereits zuvor hatte der E.ON-Konzern deutschlandweit Preisanhebungen zwischen 7,1 und 9,9 Prozent in der Grundversorgung mit Strom und zwischen 3,4 und 8,8 Prozent in der Grundversorgung mit Gas angekündigt.

Gotzel begründete die Preiserhöhungen mit den gestiegenen Beschaffungskosten der Energie am Markt. So habe sich der Strombezug in den vergangenen zwei Jahren um 14 Prozent verteuert. Die Belastungen durch die Umlage der Kosten für erneuerbare Energien seien 2007 allein um 51 Prozent gestiegen. Allerdings gebe E.ON in Thüringen die gestiegenen Bezugspreise nicht komplett an die Verbraucher weiter. Durch Kosteneinsparungen hätten etwa fünf Prozent der sonst notwendigen Preiserhöhungen aufgefangen werden können. Erdgas sei zudem ab Januar immer noch billiger als Ende 2006, da E.ON Thüringer Energie die Gaspreise zuletzt im März 2007 um durchschnittlich 7,7 Prozent gesenkt hatte.

10.000 Kunden kehrten E.ON den Rücken zu

Gotzel bezeichnete die Preisanhebungen als "relativ gering". Insgesamt biete das Unternehmen "allen Kunden an, was sie brauchen". Es gebe für sie deshalb keinen Grund zu wechseln. Allerdings sei die Wechselmentalität in den vergangenen Monaten vor allem bei Stromkunden deutlich gestiegen. E.ON Thüringer Energie habe 10.000 Stromkunden verloren und nur 2000 dazu gewonnen. "Das zeigt, dass der Wettbewerb funktioniert", sagte Gotzel. Auch bei Erdgas zeichne sich eine wachsende Bereitschaft zum Wechsel ab.

E.ON Thüringen beliefert nach eigenen Angaben 580 000 Kunden mit Strom sowie 110 000 Kunden mit Erdgas. 90 Prozent des Stroms und 100 Prozent des Erdgases würden bei fremden Händlern zu Marktpreisen eingekauft. Noch in dieser Woche wolle das Unternehmen alle Kunden anschreiben und über die neuen Tarife und Angebote informieren. So sei geplant, gegen eine monatliche Prämie von einem Euro sowohl bei Strom als auch bei Gas eine auf zwei Jahre veranschlagte Festpreisgarantie zu gewähren.

Wirtschaftsminister sieht keine Begründung für höhere Preise

Wirtschaftsminister Reinholz bezweifelte die Begründung für die Preiserhöhungen. Zwar sei der Ölpreis in den vergangenen Monaten gestiegen, doch erwarteten Experten wieder sinkende Kosten. "Kein Versorger muss sich am höchsten Preisniveau orientieren", betonte Reinholz. Mehrkosten von rund 50 Euro pro Jahr bei Strom und Gas seien für viele Kunden nur schwer zu verkraften und schmälerten die Kaufkraft der Verbraucher.

Er rief alle betroffenen Kunden auf, sehr genau einen Wechsel des Strom- oder Gasversorgers zu prüfen. "Das Kundenverhalten ist der wichtigste Hebel, um die Preisentwicklung auf den Energie­märkten zu beeinflussen", sagte Reinholz.