Holzklau nimmt zu

Teurer Brennstoff: In Ballungsgebieten wird Holz knapp

Die Nachfrage bei den Förstern im Land ist groß: In der Nähe von Ballungsgebieten wird der immer beliebter werdende Brennstoff langsam knapp. Auch die Holzdiebstähle haben zugenommen. Trotzdem könne die Nachfrage in aller Regel noch erfüllt werden, hieß es.

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Mainz (ddp/sm) - Wolfgang Wambsganß und seine Kollegen haben in diesem Winter wieder alle Hände voll zu tun. Schon im vergangenen Jahr habe er die Nachfrage nach Brennholz kaum befriedigen können, erzählt der Leiter des Forstamts in Landau. Vor allem in den Ballungsgebieten an der Rheinschiene erfreuten sich Kaminöfen und Holzheizungen offenbar immer größerer Beliebtheit. Wambsganß rechnet damit, dass in den nächsten Monaten wieder so viele Aufträge eingehen wie schon im vergangenen Winter. Im Prinzip sei genug Holz da, sagt er. Das Problem sei aber, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet und nicht kahlgeschlagen werden solle.

Holz werde als Brennstoff immer beliebter, bestätigt auch das Umweltministerium in Mainz. Allein für diesen Winter erwarte man, dass landesweit rund 100 000 Festmeter Holz mehr verheizt werden als im vergangenen Jahr, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Damit steige die Nachfrage in Rheinland-Pfalz auf insgesamt 550 000 Festmeter im Jahr, doppelt so viel wie noch vor vier Jahren.

Mit der Nachfrage steigen auch die Preise. Laut Umweltministerium ist der Festmeter Holz in diesem Winter um 20 Prozent teuerer als vor einem Jahr. Fast den gleichen Preisanstieg habe man zudem schon von 2004 auf 2005 erlebt. Allerdings sei die Nachfrage regional sehr unterschiedlich.

Das bestätigt auch eine Umfrage bei verschiedenen Forstämtern im Land. Während Wambsganß in Landau befürchtet, einige Kundenwünsche auch in diesem Jahr nicht erfüllen zu können, haben Kollegen in anderen Gegenden des Landes damit keine Probleme. "Die Nachfrage ist zwar 50 bis 80 Prozent höher als vor der Ölkrise", räumt Klaus Kaiser, Leiter des Forstreviers Alteburg in Bad Sobernheim (Kreis Bad Kreuznach) ein. Jedoch könne diese in seinem Revier im waldreichen Hunsrück auch bei weiterhin nachhaltiger Waldbewirtschaftung erfüllt werden.

Ähnlich äußert sich Uwe Hoffmann aus dem Forstamt Dierdorf (Kreis Neuwied). Dort verkaufe man ohnehin wenig massive Stämme, sondern eher Kleinholz zum Verheizen, sagt er. Sorge bereiten dem Forstamtsleiter aber zunehmende Anfragen von Holzhändlern. Ihnen gegenüber sei er zurückhaltend, betont Hoffmann. Er liefere in erster Linie an Großhändler aus der Region, die bereits seit vielen Jahren zum festen Kundenstamm zählen.

Zudem ist Hoffmann auf der Hut vor Holzdieben. Deren Aktivität habe fast im gleichen Maße zugenommen wie das Holzgeschäft an sich, berichtet der Forstamtsleiter. "Wir halten aber den Wald dicht und sind damit ganz erfolgreich", betont er. Die Wegschranken blieben die meiste Zeit geschlossen, um die Zufahrt unerwünschter Fahrzeuge zu vermeiden.

Hoffmanns Pfälzer Kollege Wambsganß berichtet gar von Einzelfällen, in denen ganze Lastwagen-Ladungen abtransportiert wurden. Bei großen Waldgebieten sei eine ständige Kontrolle schwierig, sorgt sich der Forstamtsleiter. Im Hunsrück hingegen kennt man solche Fälle bislang nicht. Das sei wohl in erster Linie ein Problem in stadtnahen Gebieten, vermutet der Bad Sobernheimer Forstamtsleiter Kaiser.

Neben dem Holzklau macht Forstamtsleiter Hoffmann aus Dierdorf auf ein weiteres Problem aufmerksam. Er sehe "Qualifizierungsbedarf bei den Kunden", betont er. Viele hätten erst seit kurzem einen Holzofen und kämen völlig unerfahren und mit schlechter Ausrüstung zum ersten Mal zum Holzmachen in den Wald. Sein Pfälzer Kollege Wambsganß mahnt zudem zum Energiesparen durch gut gedämmte Häuser und sparsame Öfen. "Um Wärme zu verpuffen, ist Holz viel zu schade", betont der Forstamtsleiter.