Oxyfuel-Verfahren

Testanlage für CO2-freies Kraftwerk in Betrieb genommen

Der Energieversorger Vattenfall hat in Jänschwalde jetzt die Testanlage für das erste so genannte CO2-freie Kraftwerk in Betrieb genommen. In der Anlage wird eine klimafreundliche Technologie der Stromerzeugung aus Braunkohle getestet, die 2008 schon angewandt werden soll.

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Jänschwalde (ddp/sm) - Der Energiekonzern Vattenfall Europe AG hat am Donnerstag am Lausitzer Kraftwerksstandort Jänschwalde eine Testanlage für das weltweit erste so genannte CO2-freie Kohlekraftwerk in Betrieb genommen. "In der Anlage erforschen Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus gemeinsam mit Vattenfall eine klimafreundliche Technologie der Stromerzeugung aus Braunkohle", sagte der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns, Klaus Rauscher, bei der Einweihung der Testanlage. Das beim Verbrennen der Kohle entstehende Kohlendioxid (CO2) werde dabei nicht mehr an die Atmosphäre abgegeben, sondern abgetrennt und gespeichert. Später soll es dann unterirdisch gelagert werden. Die Kosten für die Testanlage bezifferte Rauscher mit 60 Millionen Euro.

Das jetzt in Jänschwalde getestete Oxyfuel-Verfahren soll bereits im Mai 2008 in der weltweit ersten Pilotanlage für ein CO2-freies Braunkohlekraftwerk am Industriestandort Schwarze Pumpe bei Spremberg angewandt werden. Nach eigenen Angaben will der Energiekonzern in das bereits seit zwei Jahren im Bau befindliche, klimafreundliche Projekt rund 40 Millionen Euro investieren.

Das Pilotprojekt diene vor allem der Forschung und Entwicklung für die neue Technologie, die schnell zur Marktreife geführt werden solle, sagte Rauscher. Bei erfolgreichem Testverlauf sollen in den kommenden Jahren größere derartige Braunkohlekraftwerke bis zu einer Leistung von 300 bis 1000 Megawatt in Brandenburgs größtem Industriepark Schwarze Pumpe entstehen. Kooperiert wurde für das Projekt mit den Technischen Universitäten in Dresden, Hamburg-Harburg, Stuttgart sowie Göteborg in Schweden.

Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) sagte, Brandenburg setze weiterhin auf einen Mix von erneuerbaren Energien, Erdgas, Erdöl und Kohle. Im Land werde es keine "Verteufelung" der Braunkohle geben. Auf den einheimischen Energieträger, der viele Arbeitsplätze in der Lausitz sichere, könne nicht verzichtet werden. Dabei verstehe sich das Land als "Innovationslabor für neue Technologien". Zugleich sprach sich der Minister für eine schnelle Einführung der neuen Technologie in allen Kraftwerken aus.

"Wer behauptet, die Kohlendioxid-Abscheidung eröffne einen sicheren Ausweg aus der Klimafalle, betreibt Augenwischerei", sagte dagegen der Landesvorsitzende der Grünen, Axel Vogel. Die Technik befinde sich im Anfangsstadium, ein erstes Referenzkraftwerk könne frühestens 2020 den Betrieb aufnehmen. Das Problem des Klimawandels verlange jedoch sofortige Antworten. Eine Anfang März veröffentlichte Studie des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie räume zudem "mit dem irreführenden Begriff des Kohlendioxid-freien Kraftwerks" auf, sagte Vogel. Die Technologie führe allenfalls zu einer Kohlendioxid-ärmeren Verstromung von Kohle als bisher.