Zwei Fronten

Technology Review über Windenergie: In den Mühlen der Bürokratie

Das Technologiemagazin Technology Review berichtet in seiner neusten Ausgabe von den Hürden, die die Betreiber von Offshore-Windparks in Deutschland überwinden müssten. Neben korrodierender Seeluft und hohen Wellen sei das vorallem die Bürokratie deutscher Behörden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover (red) - Noch sind deutsche Anbieter führend in der Windkraft-Branche. Ob das zukünftig so bleibt, hängt nicht zuletzt von Verwaltung, Umweltschützern und Tourismusverbänden ab, die die Windstromerzeugung auf dem Wasser massiv behindern, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in der Ausgabe 04/04.

Neben Dänemark und den USA konnte sich so Deutschland zum Technologieführer und weltgrößten Absatzmarkt für Windanlagen entwickeln. Das Windkraftwunder vom Festland soll sich jetzt auf See wiederholen und den nächsten Innovationsschub auslösen. Das so genannte Offshore-Geschäft gilt als größter Wachstumsmarkt für Windanlagen-Hersteller, heißt es weiter. Dabei liefern sich momentan laut Technology Review zwei Konkurrenten ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den nächsten Rekord im Windanlagengeschäft: Repower mit Hauptsitz in Hamburg und Multibrid in Bremerhaven. Beide Unternehmen wollen die neue Rekordmarke fünf Megawatt Leistung erreichen.

Korrodierende Seeluft, hohe Wellen und Packeis seien im Offshore-Geschäft das eine Problem, deutsche Behörden, Umweltschützer und Kurdirektoren das andere, schreibt das Magazin weiter. Es herrsche eine krasse Diskrepanz zwischen den öffentlichen Bekenntnissen pro Windkraft und dem täglichen Kleinklein. Die Offshore-Pioniere müssten nicht nur die Grenze vom Land zum Wasser überqueren, sie müssten auch Bezirks-, Landes- und Bundesgrenzen überwinden. Und dabei würden sie die volle Wucht der föderalen Regulierungspraxis zu spüren bekommen.

Außerdem müssten die Windanlagenbetreiber Umweltschützer überzeugen. Die Verbände Nabu und BUND befürchten, dass seltene Seevögel von den Rotorblättern geschreddert und Schweinswale vom Lärm gestört werden. "In Deutschland liegen Anträge für ein Drittel der Meeresfläche vor, kein einziger Windpark ist gebaut, und schon beschwört man die Umweltschäden von 25 000 Anlagen", sagt Georg Nehls, Gutachter bei der Umweltberatungs-Firma Bioconsult.

Wenn das Offshore-Geschäft weiter ausgebremst wird, so die Befürchtung, werden selbst vor Schleswig-Holstein und Niedersachsen nur ausländische Anbieter zum Zuge kommen. Die Betreiber des Windparks Butendiek, 34 Kilometer westlich von Sylt, haben unlängst beschlossen, ihren Park mit Drei-Megawatt-Windrädern der dänischen Vestats zu bestücken.