Geschäftsbericht

Talfahrt bei RWE: Konzernchef fordert Geld für Reservekraftwerke

RWE-Chef Peter Terium fordert im Zusammenhang mit dem aktuellen Geschäftsbericht des Unternehmens Geld für das Bereithalten unrentabler Gas- und Kohlekraftwerke vom Staat. Gleichzeitig sieht der Konzernchef "ermutigende Signale", was die Finanzierung des Atomausstiegs angeht.

RWE

Essen (dpa-AFX/red) - Die Krise der Großkraftwerke verschärft sich nach RWE-Angaben weiter. Bei dem aktuellen Strompreis von nur noch 20 Euro pro Megawattstunde im Großhandel könnten Kohle-, Gas- und Atommeiler nicht überleben, sagte Vorstandschef Peter Terium am Dienstag bei der Bilanz-Pressekonferenz des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns in Essen. Noch ist RWE allerdings ein Stück weit geschützt, weil der Konzern einen Großteil seiner Produktion schon Jahre im Voraus verkauft hat, als die Preise noch bei mehr als 50 Euro lagen. So seien 90 Prozent der diesjährigen Strommenge zu einem Durchschnittspreis von 35 Euro veräußert, erklärte Finanzvorstand Bernhard Günther.

Atomausstieg: Terium wertet Signale der Regierung positiv

Im Ringen um die Finanzierung des Atomausstiegs sieht der Energiekonzern RWE Fortschritte in den Gesprächen mit der Bundesregierung. "Ich bin zuversichtlich, dass hier eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden kann", schrieb RWE-Chef Peter Terium heißt es in dem aktuell veröffentlichten Geschäftsbericht. "Erfreulicherweise kamen vonseiten der Politik zuletzt einige ermutigende Signale."

Atomkommission soll Finanzierungsfrage beim Atomausstieg klären

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr eine Kommission unter Leitung der Politiker Jürgen Trittin (Grüne), Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) eingerichtet, die mit den vier Atomkonzernen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall nach Lösungen zur Finanzierung des Atomerbes suchen soll.

Ursprünglich sollte sie schon Ende Februar ihre Vorschläge veröffentlichen, wie die Rückstellungen der Konzerne für Abriss und Endlagerung des Atommülls in Höhe von rund 38,5 Milliarden Euro langfristig gesichert werden können. Doch das Gremium braucht mehr Zeit. Zuletzt war deutlich geworden, dass die Unternehmen noch zögern, sich auf ein Gesamtpaket für einen "Entsorgungskonsens" einzulassen.

Terium: Kommission muss auf wirtschaftliche Lage der Unternehmen achten

Terium betonte nun, dass die Bundesregierung der Kommission mit auf den Weg gegeben habe, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen zu berücksichtigen. RWE kämpft wie die anderen Energiekonzerne wegen des von ihnen verschlafenen Ökostrombooms mit wegbrechenden Gewinnen.

Staatsfonds und Pakt mit dem Staat zur Rückbau-Finanzierung

Zuletzt war aus Verhandlungskreisen durchgesickert, dass die Konzerne um die 18 Milliarden Euro in einen Staatsfonds übertragen könnten. Der Fonds würde End- und Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente übernehmen. Das Risiko möglicher Mehrkosten für die Endlagerung könnte dem Vernehmen nach "ab einem gewissen Zeitpunkt" der Staat übernehmen. Die Unternehmen blieben für den Rückbau der Atommeiler sowie die Atommüll-Behälter verantwortlich.

Terium fordert einen Kapazitätsmarkt

Angesichts des Verfalls der Strompreise im Großhandel forderte Terium erneut Geld für das Bereithalten derzeit kaum noch profitabler Kraftwerke. "Das neue Gesetz der Bundesregierung zum künftigen Strommarktdesign reicht überhaupt nicht aus, um ausreichende Preissignale zu setzen", klagte der Manager.

Dabei pochen die Unternehmen darauf, dass ihre Kohle- und Gaskraftwerke als verlässliche Reserve weiter gebraucht werden, um Stromausfälle in Zeiten mit einem geringen Ökostromangebot zu verhindern. Für das Bereithalten der dafür nötigen Erzeugungskapazitäten wollen sich die Unternehmen bezahlen lassen. Die Bundesregierung lehnt das bislang ab.

Stellenabbau im britischen Energievertrieb

Mit einem harten Sparprogramm will der Energiekonzern seinen angeschlagenen Strom- und Gasvertrieb in Großbritannien sanieren. Das wurde wiederum zur Tochter Npower am Dienstag angekündigt. Man wolle sich von rund einem Fünftel der Beschäftigten trennen, hieß es. Rund 11.500 Menschen arbeiten den Angaben zufolge derzeit im britischen Vertriebsgeschäft, davon sollen nun 2.400 gehen. Knapp die Hälfte der Stellenstreichungen sind bei den rund 6.700 Festangestellten geplant. Npower war im vergangenen Jahr in schweres Fahrwasser geraten, weil eine Umstellung eines Computersystems für Kundenabrechnungen völlig misslang.

"Was dort passiert ist, war ein Desaster", erklärte Konzernchef Peter Terium. In der Folge häuften sich die Beschwerden. Kunden kündigten scharenweise und konnten oft nur mit satten Rabatten gehalten werden. Unter dem Strich verlor RWE in Großbritannien dennoch mehr als 350.000 seiner zuvor gut fünf Millionen Privat- und Gewerbekunden.