Besorgnis erregend

"Tagesspiegel": Internationale Atomenergiebehörde kritisiert iranisches Nuklearprogramm

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) kritisiert in ihrem jüngsten Bericht deutlich das Nuklearprogramm Irans. Nach Informationen des Tagesspiegels schreibt der Leiter der Behörde, Mohammed al Baradei, in dem Gutachten, das er heute in Wien vorstellen wird: "Die Anzahl der Versäumnisse des Iran, über (Nuklear-)Materialien, Anlagen und Aktivitäten zu berichten, ist Besorgnis erregend."

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Al Baradei wirft dem Iran vor, seinen Verpflichtungen aus dem Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen nicht nachgekommen zu sein. Einige westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass der Iran ein Atomenergieprogramm betreibt, um sich die technischen Anlagen und das Know-how zur Herstellung von Atomwaffen zu beschaffen sowie ein militärisches Projekt zu verschleiern. Deutsche Sicherheitskreise sprechen von "Indizien für eine beunruhigende Entwicklung".

Erst im Mai hatte der Iran gegenüber der IAEO zugegeben, 1991 knapp zwei Tonnen Atommaterial aus China illegal importiert zu haben. Experten gehen davon aus, dass Iran damit Weiterverarbeitungstechniken erprobt hat, was Teheran bestreitet. Allerdings konnte die IAEO bei einem Besuch Irans im März nachweisen, dass ein Teil des Nukleamaterials fehlte. Ein anderer Teil ist nach Angaben Irans im Jahr 2000 zu Uran-Metall umgewandelt worden, was bei der IAEO Fragen aufwirft. So schreibt Al Baradei in seinem Bericht: "Die Rolle des Uran-Metalls im von Iran gemeldeten nuklearen Brennstoffkreislauf ist weiter unklar, weil weder seine Leichtwasserreaktoren noch sein geplanter Schwerwasserreaktor Uran-Metall als Brennstoff benötigen." Uran-Metall wird jedoch zur Herstellung von Uran-Sprengköpfen benötigt.

Die US-Regierung ist laut "Tagesspiegel" überzeugt, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. In westlichen Geheimdienstkreisen heißt es, Iran verfolge zwei unterschiedliche Atombombenprogramme. Darauf deute die Anlage zur Produktion von schwerem Wasser in Arak hin. Sie soll offiziell einen geplanten Reaktor versorgen. Dieser kann aber auch waffenfähiges Plutonium produzieren.

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