Wirtschaftliche Gründe

swb: Strittiges Kohlekraftwerk wird nicht gebaut (Upd.)

Der Bremer Energieversorger swb wird das umstrittene Kohlekraftwerk doch nicht bauen. Für die Entscheidung seien rein wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend gewesen, sagte swb-Vorstandschef Willem Schoeber am Mittwoch in Bremen. Die politische Debatte habe dabei "keine Rolle gespielt".

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Bremen (ddp-nrd/sm) - Die Kosten für das milliardenschwere Projekt seien wegen der Weltmarktentwicklung um 50 Prozent gestiegen. Dadurch wäre das Kraftwerk nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Mit dem Ausstieg würden durch Umverteilungen innerhalb des Unternehmens zunächst keine Arbeitsplätze gefährdet.

Das geplante Kohlekraftwerk hatte während der Koalitionsverhandlungen von SPD und Grünen in Bremen für Zündstoff gesorgt. Die Grünen waren aus Gründen des Klimaschutzes gegen den Bau, die SPD wegen der damit zusammenhängenden Arbeitsplätze zunächst dafür. Im Koalitionsvertrag hatten beide Parteien in der strittigen Frage ein "ergebnisoffenes Prüf- und Moderationsverfahren" vereinbart. Bis zum Herbst sollte ein Ergebnis erzielt werden. Schoeber betonte, er sei zuversichtlich gewesen, das die swb AG eine "faire Chance" erhalten hätte.

Die für das Unternehmen «schwere Entscheidung» gegen den Bau des Kraftwerks sei bereits am Freitag gefallen, sagte Schoeber weiter. Die Beschäftigten seien am Dienstag informiert worden. Wegen der Entwicklungskosten und bereits gekaufter Materialien bedeute der Ausstieg einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Dies sei aber den Risiken vorzuziehen, die die swb AG bei der Fortsetzung des Projekts eingegangen wäre. Das Kraftwerk sollte mehrere 100 Millionen Euro teurer werden als ursprünglich geplant. Konzernbetriebsratschef Ulrich Meyer sagte, die Stimmung bei den Kollegen sei gedrückt. Nach Jahren der Rationalisierungen im Unternehmen sei der geplante Block 21 die Sonne gewesen, "die aufging und die jetzt beerdigt wurde".

Schoeber betonte, auch ohne das Kohlekraftwerk gebe es für das Unternehmen viele Wachstumschancen. Wegen der enormen Preisentwicklungen im Anlagenbau, der mangelnden Akzeptanz in der Bevölkerung für Atomenergie und für lange Laufzeiten erwarte er, dass die Strompreise weiter steigen. Dadurch würden die bestehenden Anlagen länger wirtschaftlich bleiben. Dies werde die swb AG noch dadurch fördern, indem sie die Anlagen effizienter und umweltfreundlicher umbaue.

Die swb wolle zudem verstärkt in regenerative Energien investieren. Zielmarke sei ein Anteil von 20 Prozent an der gesamten Stromproduktion. Derzeit liege der Anteil bei eineinhalb Prozent. Vor allem im Bereich Offshore und Biomasse sehe er Potenzial. Bremens Wirtschaftssenator Ralf Nagel (SPD) sagte, die Investitionen in die bestehenden Kraftwerke seien die richtigen Antworten auf neue wirtschaftliche Gegebenheiten. "Dafür sage ich unsere Unterstützung zu", betonte Nagel.