Startschuss

Südhessen: Gaskunden können wählen [Upd.]

Im südhessischen Marktgebiet wird ab 1. Oktober der freie Gaswettbewerb praktiziert. Neben der HSE-Tochter e-ben bieten dann auch Energieried aus Lampertheim und die GGEW aus Bensheim den Verbrauchern Erdgas an. Der Anbieter Flexgas kritisierte die bisherige Liberalisierung als "zu langsam".

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Lampertheim (red) - Energieried-Geschäftsführer Frank Kaus fühlt sich gut gerüstet. In einem Gespräch gegenüber der "Lampertheimer Zeitung" sieht er den Wettbewerb als Chance und und hofft auf die Beseitigung der letzten Hürden. So dürften die Versorgungsleitungen auf der Ferngasebene nicht länger blockiert werden und ausländische Lieferanten müssten auf den deutschen Markt drängen, damit ein Preisdruck auf Importeure wie Vertriebsgesellschaften entstehe.

Die Niedrigpreise von e-ben könne er nicht bieten, so Kaus weiter, allerdings glaube er nicht, dass der Konkurrent diese auf Dauer nicht halten könne. "Die Muttergesellschaft von e-ben, HSE, wird von Darmstädter Kunden verklagt, weil sie dort höhere Preise bezahlen müssen als bei uns im Ried. Entscheidet die Kartellbehörde, dass im gesamten HSE-Gebiet die gleichen Preise wie bei e-ben gelten müssen, gäbe das einen Gewinneinbruch von 40 bis 50 Millionen Euro jährlich", ziteiert das Blatt Kaus.

Sein Rezept seien Gespräche mit den Kunden und einfache Tarifstrukturen. Hier will er das Preis-Leistungs-Verhältnis hervorheben, den Kundendienst und die Möglichkeit, Wasser, Gas und Strom aus einer Hand zu beziehen. Rabatte seien seiner Ansicht nach nicht Erfolg versprechend. Die Preise für Gas will Energieried bis zum Jahresende konstant halten. Energieried ist aus dem Zusammenschluss der Stadtwerke Lampertheim und Bürstadt entstanden.

Der Anbieter Flexgas kritisiert die derzeitige Liberalisierung des deutschen Gasmarkts. Die bisherigen Regeln seien unzureichend und ermöglichen keine flächendeckende Versorgung durch neue Anbieter. Das Gesetz zur Durchleitung von Gas sei bislang nicht umgesetzt. "Das ist eine Mini-Liberalisierung", sagt FlexGas-Geschäftsführer Robert Mundt. Die Monopolstrukturen auf dem deutschen Gasmarkt sind nach wie vor existent, einen fairen und freien Wettbewerb gibt es nicht. In der Folge zahlen die Kunden nach wie vor überhöhte Preise.

Das sogenannte Entry-Exit-Modell ist zwar seit dem 1. Februar 2006 in Deutschland Gesetz, findet derzeit aber keine Umsetzung. Die Netzbetreiber haben es bisher versäumt, einheitliche Regelungen zur Durchleitung von Gas zu vereinbaren. Daher ist es zum 1. Oktober nur in vereinzelten Städten möglich, den Versorger zu wechseln. "Mit Wettbewerb hat das derzeit noch nichts zu tun", sagt Mundt. Weil das geltende Gesetz nicht angewendet werde, sei auch preislich noch nicht viel Bewegung auf dem deutschen Gasmarkt zu spüren.

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