Diskussionsstoff

"Süddeutsche" berichtet über schwere Sicherheitsmängel in "Isar 1"

Die Süddeutsche Zeitung hat in ihrer gestrigen Ausgabe über eine ebenso vertrauliche wie brisante Studie berichtet: Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit habe namens des Bundesumweltministeriums festgestellt, dass vor allem das Atomkraftwerk "Isar 1" nahe Landshut nicht gegen einen Flugzeugabsturz oder einen terroristischen Angriff geschützt sei.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Süddeutsche Zeitung hat in ihrer gestrigen Ausgabe über eine vertrauliche Studie berichtet, der zufolge selbst der Absturz eines kleines Passagier-Jets auf ein Atomkraftwerk katastrophale Folgen haben könnte. Fazit der Studie, die vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegeben und von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) erstellt wurde: Bayerische Atomkraftwerke seien nur unzureichend gegen terroristische Angriffe geschützt.

Vor allem das Kraftwerk "Isar 1" nahe Landshut weise schwerwiegende Sicherheitsmängel auf, heißt es. Wie die Süddeutsche Zeitung weiter schreibt, wolle der österreichische Abgeordnete Peter Pilz die Studie morgigen Freitag auf dem Marienplatz in München verteilen, um die Behörden somit unter Druck zu setzen. Forderung: Man solle schnell handeln.

Die Studie sei nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 initiiert und bereits vor einem Jahr fertig gestellt worden, schreibt die SZ. Im Rahmen der Studie seien die Sicherheitsbedingungen verschiedener Referenzanlagen geprüft worden. Der Siedewasserreaktor "Isar 1" entspreche demnach der Referenzanlage Brunsbüttel - beide Kraftwerke verfügten über "keine explizite Auslegung gegen Flugzeugabsturz", heißt es. Auch das Kraftwerk " Philippsburg 1" weise in Sachen Sicherheit einen nahezu ebenso schlechten Standard aus.

Das GRS habe den Absturz von Flugzeugen anhand von drei unterschiedlich großen Typen sowie zwei Geschwindigkeiten (350 und 630 Stundenkilometer) durchgerechnet. Dabei habe sich gezeigt, dass die eiförmigen Druckwasser-Reaktoren gegen Flugzeug-Abstürze besser geschützt seien als kastenförmige Siedewasser-Reaktoren.

Ein Airbus A 320, der mit 360 Stundenkilometern gegen "Isar 1" gesteuert würde, hätte bereits verheerende Folgen: Das Reaktorgebäude werde großflächig zerstört, Radioaktivität würde frühzeitig freigesetzt. Es sei fraglich, ob ein solches Ereignis beherrschbar sei, heiße es in der Studie. Klaus Traube, BUND-Atomexperte, geht laut SZ gar davon aus, dass eine solche Katastrophe mitunter von schlimmerer Auswirkung als der Super-GAU in Tschernobyl sei.