Zur EEG-Vergütung

Studien: Windkraft macht Strom billiger

Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegel" belegen zwei wissenschaftliche Studien, dass Windenergie den Strompreis um nennenswerte Beträge sinken lässt. Besonders bemerkenswert dabei: die Autoren der einen Studie sind Mitarbeiter des Energiekonzerns E.ON.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Ein häufiges Vorurteil gegen die Windenergie scheint nun widerlegt: die Vergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) würde den Strompreis nach oben treiben. Dass eher das Gegenteil der Fall ist zeigen zwei Studien, die dem "Tagesspiegel" vorliegen.

Dem Bericht zufolge mussten die Stromkunden tatsächlich im vergangenen Jahr für Windstrom 1,2 Milliarden Euro mehr bezahlen, als für die gleiche Menge konventionellen Strom. Doch Sven Bode vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) hat die Auswirkungen des EEG auf den Strompreis näher untersucht. Danach wird der Preis an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) durch das teuerste Kraftwerk bestimmt, das zur Produktion der nachgefragten Menge benötigt wird, und nicht von den durchschnittlichen Erzeugungskosten, erläutert Bode. In Spitzenzeiten seien dies die Gaskraftwerke, danach kommen die Kohlekraftwerke. Bei geringerer Nachfrage werden die teuren Produktionsstätten vom Netz genommen. Da Windstrom vorrangig in das Netz aufgenommen werden muss sinkt der Bedarf an konventionellem Strom dementsprechend. In der Folge sinkt dann auch der Börsenpreis. An einem durchschnittlichen Tag mit 3000 Megawatt (MW) Windstrom betrage die Senkung etwa 1,70 Euro pro Megawattstunde (MWh), bei einem Strompreis von 40 bis 60 Euro schon eine relevante Größe, so Bode.

Die E.ON-Wissenschaftler Jürgen Neubarth und Michael Gerecht haben zusammen mit der Universität Duisburg-Essen einen noch stärkeren Preiseffekt errechnet. Bei 1000 MW Windstrom wäre eine Senkung von 1,90 Euro pro MWh möglich, bei 4000 MW sogar 7,60 Euro.

Ein E.ON-Sprecher kommentierte gegenüber dem "Tagesspiegel" die Studien: "Wissenschaft ist das eine, die energiewirtschaftliche Praxis spricht eine andere Sprache." Zudem würde der unregelmäßig wehende Wind zusätzliche Kosten verursachen.

Nach Ansicht von Matthias Hochstätter vom Bundesverband Windenergie übersteigt mit diesen Ergebnissen die Ersparnis die EEG-Vergütung. Bei einem um 7,60 Euro niedrigeren Börsenpreis würden die Stromkunden 3,8 Milliarden Euro weniger zahlen, im Vergleich zu den 1,2 Milliarden Euro, die der Windstrom laut EEG kostet.

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