Am Ort des Energieverbrauchs

Studie zur dezentralen Energieerzeugung: Paradigmenwechsel?

In einer neuen Studie hat die Unternehmensberatung Frost & Sullivan den Markt der dezentralen Energieversorgung untersucht. Wichtigstes Ergebnis: Die Energieerzeugung verlagert sich zunehmend an den Ort des Energieverbrauchs. Der noch junge Markt für entsprechende Technologien wird sich positiv entwickeln.

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In der europäischen Energieversorgung zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Die Energieerzeugung verlagert sich zunehmend an den Ort des Energieverbrauchs. Zwar gilt die dezentrale Energieerzeugung bisher nur als Ergänzung zur herkömmlichen Versorgung, der noch junge Markt für entsprechende Technologien entwickelt sich jedoch positiv. Nach einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan soll sich der Umsatz von knapp 5,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2001 auf 8,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 erhöhen.

Systeme zur dezentralen Energieerzeugung zeichnen sich durch sauberere Brennstoffe, geringere Emissionen, bessere Eignung für Kraft-Wärme-Kopplung und den weitgehenden Wegfall von Übertragungsverlusten aus. Insofern sind sie zuverlässiger, effizienter und umweltfreundlicher als herkömmliche Kraftwerke. Damit dürften sie eine zunehmende Rolle auf dem sich schnell diversifizierenden europäischen Energiemarkt spielen, was vor allem im Zeitraum von 2005 bis 2010 deutlicher sichtbar werden soll.

Verschiedene Technologien stehen zur Wahl

Der Gesamtmarkt für dezentrale Energieerzeugung soll durch die Einführung von Brennstoffzellen, Mikro-BHKW sowie Mini- und Mikro-Turbinen ab 2003 weiter expandieren. Doch bevor sich diese neuen Technologien durchsetzen, werden die etablierteren Systeme wie Diesel- und Gasmotoren-Generatoren, Mikro- und Minigasturbinen und Windturbinen den Markt durchdringen. Dann jedoch werden sich nach Harald Thaler, Senior Analyst bei Frost & Sullivan, die Gewichte der einzelnen Segmente verschieben. Anwendungen für Dieselmotoren laufen allmählich aus. Verbrennungsmotoren fallen bei Preis und Wartungsaufwand hinter größere Mini- und Mikro-Turbinen zurück. Bei Gasmotoren hingegen dürften höherer Wirkungsgrad, verbesserte Zuverlässigkeit und technische Neuerungen in der Leistungsklasse über fünf Megawatt für langfristig robustes Wachstum sorgen.

Photovoltaik wird Windkraft überflügeln

Hoffnungen verbinden sich ebenfalls mit dem dynamischen Segment der erneuerbaren Energiequellen. Ihr schnelles Wachstum dürfte bescheidenere Zuwächse bei Generatorsätzen ausgleichen. Insbesondere die Photovoltaik bietet langfristig dank sinkender Installationskosten und staatlicher Förderung ein außerordentliches Wachstumspotenzial. Sie dürfte in den nächsten 20 Jahren der am schnellsten wachsende erneuerbare Energieträger in Europa sein und damit sogar die gegenwärtig favorisierte Windkraft noch übertreffen.

Versorger wollen Marktpotenzial nicht verpassen

Der Stellenwert dezentraler Energieerzeugung innerhalb des Gesamtszenarios einer zukünftigen Energieversorgung wird maßgeblich vom Verhalten der Versorger abhängen. Bisher zögern sie, dezentrale Technologien tatsächlich als Alternative zum zentralen Ansatz zu betrachten. Aber das dürfte sich ändern, weil immer weniger Versorger riskieren wollen, diesen potenziell lukrativen Markt unberücksichtigt zu lassen. Viele haben deswegen schon entsprechende Beteiligungen oder streben sie an. Allerdings ist man sehr vorsichtig, was den Zeitpunkt des Markteintritts, die Auswahl der Partner und ähnliche Fragen angeht. Außerdem sind zunächst noch Probleme mit Überkapazitäten und Deregulierung zu lösen, bevor Versorger, industrielle und kommerzielle Anwender Vertrauen in die dezentrale Energieerzeugung setzen.