Handlungsbedarf

Studie zeigt starke Effizienzunterschiede deutscher Strom-Netzbetreiber

Die regionalen Energieversorger sollten dringend damit beginnen, ein Regulierungsmanagement aufzubauen, rät die Essener Unternehmensberatung ConEnergy. Sie hat die Vorbereitung von 122 Netzbetreibern untersucht und dabei festgestellt, dass nur etwa ein Dutzend davon effizient arbeitet.

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Essen (red) - Die deutschen Energieversorger sollten die Zeit bis zur endgültigen Einrichtung der Regulierungsbehörde effektiv nutzen, ist das Ergebnis einer Analyse von 122 deutschen Strom-Netzbetreibern durch die ConEnergy AG (Essen).

In ihrer Untersuchung vergleicht die auf die Energiewirtschaft spezialisierte Unternehmensberatung die netzseitigen Aktivitäten der Regionalversorger unter Regulierungsaspekten. Im Ergebnis werden teilweise starke Effizienzunterschiede zwischen den Netzbetreibern offenbar, die Vergleichsmarktprinzipien und Methoden der Anreizregulierung kaum standhalten würden.

Gründe: Die bislang stark der Kostenrechnung und Nettosubstanzerhaltung verhaftete Netzentgeltkalkulation auf Basis der Verbändevereinbarung würde verstärkt durch Elemente ergänzt, die außerhalb des Einflussbereichs der betreffenden Unternehmen liegen. Hierzu zählen beispielsweise die bei einer Anreizregulierung typischerweise verwendeten Kennzahlen vergleichbarer Unternehmen sowie volkswirtschaftliche Kenngrößen wie die (sektorale) Produktivitätsentwicklung. Doch Anreizregulierung mache sich nicht nur an bislang weniger beachteten Kennzahlen fest. Mit diesem in zahlreichen Ländern erprobten Regulierungsinstrument würden unternehmerische Anreize gesetzt, die zu einer veränderten Unternehmenssteuerung und Investitionspolitik in den Netzgesellschaften führen werden, bilanziert die ConEnergy AG.

Ziel einer Anreizregulierung sei es, generelle und spezifische Effizienzsteigerungspotentiale zu realisieren. Insbesondere das Verfahren der Data Envelopment Analysis (DEA) rücke immer mehr ins Blickfeld derjenigen Unternehmen, die sich eingehender mit dem zukünftigen Instrumentenkasten des Regulierers beschäftigen. Das Essener Beratungsunternehmen hat deshalb anhand veröffentlichter Daten verschiedene DEA-Modelle formuliert und diese analysiert: Von 122 deutschen Netzbetreibern sind nur etwa ein Dutzend Unternehmen zu 100 Prozent effizient. Bei allen anderen Unternehmen zeigten sich enorme Effizienzdefizite, teilweise bis zu mehr als 30 Prozent im Vergleich. Kommt der Regulierer zu derartigen Erkenntnissen, wird er die Nachzügler durch Entgeltbeschneidung zu effizienten Netzbetreibern machen wollen, bilanziert ConEnergy.

Fazit: Eine starke Anreizregulierung könnte ein Bedrohungsszenario für die Branche bedeuten. Die Branche und jedes einzelne Unternehmen sollte dringend damit beginnen, sich mit den Folgen eines solchen Szenarios, das immer wahrscheinlicher wird, zu beschäftigen. Ein erster Schritt sollte der Aufbau eines Regulierungsmanagements sein, das organisatorisch fest in die Unternehmensstruktur eingebunden ist und Fachwissen über die kommende Regulierung bündelt, rät ConEnergy.