Wilstedt

Studie: Windparks stören nicht mehr als Verkehr

Windpark-Geräusche gelten als lästig und störend. Viele Anwohner protestieren deshalb gegen die Errichtung in der Nähe ihres Zuhauses. Einer Studie zufolge empfanden viele die Geräusche nicht als belästigend und mit Verkehrslärm vergleichbar. Zehn Prozent erleben eine starke Geräuschbelästigung.

Windrad© Martin Lehotkay / Fotolia.com

Osnabrück (red) - Lärm – unerwünschter Schall – kann aggressiv machen und Stress hervorrufen: Auch Windparks gelten oft als geräuschbelästigend. Einer Studie von Umweltpsychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zufolge empfanden die Anwohner eines Windparks im niedersächsischen Wilstedt diesen mehrheitlich aber als nicht belästigend und waren ihm gegenüber positiv eingestellt.

Insgesamt wurden die Geräusche der Windenergieanlagen (WEA) als vergleichbar mit Verkehrslärm wahrgenommen, berichtet die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Zusammen mit dem Deutschen Windenergie-Institut (DEWI) hatten die Wissenschaftler die Wirkungen des Windparks über den Zeitraum von zwei Jahren unter stresspsychologischem und akustischem Blickwinkel analysiert und auch bei einer Vergleichsstichprobe mit 13 anderen Windparks keinen Unterschied mit Blick auf die Durchschnittsbelästigung festgestellt. Zusätzlich wurden in Wilstedt erstmals technische Einflussmöglichkeiten auf die Geräuschwahrnehmung erprobt.

Befragungen und technische Messungen

Die Umweltpsychologen Professor Dr. Gundula Hübner und Dr. Johannes Pohl hatten in Kooperation mit dem DEWI die Lärmwirkungen des Wilstedter Windparks analysiert. "Mehr als 200 Anwohner wurden danach befragt, ob sie sich durch die Geräusche der großen von Windkraftanlagen belästigt fühlen, zu welchen Zeiten, ob und wie sich dies auf ihren Alltag, ihren Schlaf und andere körperliche und psychische Bereiche auswirkt", erläutert Hübner. Parallel zur Anwohnerbefragung zu Wahrnehmungsaspekten habe das DEWI Geräuschanalysen und -messungen durchgeführt. "Zusätzlich wurde über ein halbes Jahr untersucht, ob veränderte, zum Teil geräuschärmere WEA-Betriebsmodi nachweisbare Auswirkungen auf die empfundene Geräuschbelästigung hat", so Hübner weiter.

Vergleichbar mit Verkehrslärm

"Mehrheitlich bewerten die Befragten den Windpark eher positiv. Von ihm geht grundsätzlich keine Belästigung aus", stellt die Umweltpsychologin mit Blick auf Wilstedt fest. Selbst wer sich durch den Windpark belästigt fühle, sei zwar kritischer, lehne ihn aber nicht pauschal ab. "Eine Minderheit von zehn Prozent der Befragten erlebt zwar eine ziemlich starke Geräuschbelästigung", sagt Hübner, "insgesamt aber werden die Windparkgeräusche als vergleichbar mit Verkehrslärm empfunden. Unter speziellen Bedingungen würden Windparkgeräusche gehäuft als unangenehm wahrgenommen, etwa in der Nacht oder bei einer bestimmten Windrichtung, "obwohl die zulässigen Grenzwerte der WEA-Anlagen eingehalten wurden", betont Hübner.

Störfaktor unregelmäßige Geräusche

Die Aufzeichnungen deuteten als Hauptverursacher auf eine sogenannte Amplitudenmodulation: "Geräusche, die als Wummern und Rauschen beschrieben werden und die nicht gleichmäßig sind, sondern in ihrer Stärke kurzzeitig schwanken." Dies könne als belastend erlebt werden, weil die Unregelmäßigkeit der Geräusche Aufmerksamkeit auf sich ziehe und dadurch als störend empfunden werde. Die genaue Ursache der Amplitudenmodulation müsse durch weitere Forschungen geklärt werden.

Beschwerden nahmen ab

Hübner zu weiteren Ergebnissen: "Über den Zeitraum des Forschungsprojekts hinweg nahm die ohnehin geringe Ausgangsbelästigung sogar leicht ab." Passend dazu sei der Anteil der Personen mit geräuschbedingten Stressbeschwerden wie Schlafproblemen oder Ärger und Gereiztheit von zehn auf sieben Prozent gesunken, "zudem nahm die Anzahl der Symptome ab". Eine positive Wirkung der geänderten WEA-Betriebsmodi auf die Belästigung habe nicht nachgewiesen werden können.

Da sich die durchschnittliche Belästigung durch Windparkgeräusche in Wilstedt nicht von einer Vergleichsstichprobe mit 13 anderen Windparks unterscheide, sei Wilstedt kein Sonderfall. Schötz: "Die von dort stammenden Ergebnisse können daher auch auf andere Windparks übertragen werden."