Forschung

Studie: Wie eine verständliche Stromrechnung aussehen sollte

Das Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg hat über neuartige Ansätze bei Stromrechnungen geforscht und jetzt Ergebnisse vorgestellt. Der Hintergrund ist, dass viele Verbraucher ihre Stromrechnungen nur unzureichend verstehen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Heidelberg (red) - Das ifeu-Institut hat in einer Studie im Auftrag des DIW Berlin den aktuellen Stand und die Hemmnisse für die Einführung informativer gestalteter Stromrechnungen in Deutschland untersucht und Beispiele für eine anschauliche Gestaltung von Verbrauchsinformationen zusammengetragen.

Stromrechnungen sind in Deutschland für Haushaltsstromkunden oft nur schwer verständlich und kommen als Jahresabrechnung zu selten, um ein Feedback zum eigenen Verhalten geben zu können. Dies ist ein wesentliches Hemmnis für die Ausschöpfung der Stromeinsparpotenziale in Deutschland. Studienergebnisse aus dem Ausland, insbesondere aus den skandinavischen Ländern, zeigen jedoch, dass ein regelmäßiges und gut aufbereitetes Feedback zum Stromverbrauch zu Einsparerfolgen von fünf bis zwölf Prozent führen kann. Neben der häufigeren Rechnungsfrequenz seien auch Zusatzinformationen zur Stromverbrauchsentwicklung (historisches Feedback) oder Durchschnittswerte von Haushalten ähnlicher Größe (vergleichendes Feedback) sinnvoll. Wichtig sei dabei vor allem die verständliche Gestaltung der Informationen für die Verbraucher.

Antiqiuerte Zählertechnik und manuelles Ablesen größte Hindernisse

Die Bedeutung einer verständlichen Rechnungsstellung wurde auf politischer Ebene bereits erkannt. Die im Mai 2006 in Kraft getretene EU-Richtlinie zu Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen schreibt in Artikel 13 vor, dass die Kunden verständliche Rechnungen erhalten müssen, die die Endverbraucher in die Lage versetzen, ihren eigenen Verbrauch zu steuern. Die Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht wird derzeit von den zuständigen Ministerien vorbereitet. Aufgrund der bisher eingesetzten, vergleichsweise antiquierten Zählertechnik in Deutschland stößt eine zeitnahe Einführung von häufigeren Rechnungsstellungen jedoch auf technische und ökonomische Hindernisse: Eine automatisierte monatliche Ablesung, wie sie zum Beispiel im Bereich der Telekommunikation Standard ist, ist mit der bisherigen manuellen Ablesetechnik nicht wirtschaftlich umsetzbar.

Versorger wollen kein häufigeres Ablesen

Interviews mit Energieversorgungsunternehmen im Rahmen dieser Studie ergaben, dass ein Eigeninteresse der Unternehmen im Hinblick auf eine häufigere Rechnungsstellung insbesondere aus Kostengründen kaum vorhanden ist. Dagegen werden verständlichere Rechnungen schon allein zur Reduzierung von Nachfragen in den Kundencentern generell angestrebt.

Die aktuelle politische Diskussion wird begleitet von Forschungsprogrammen für den Einsatz so genannter "intelligenter Stromzähler", die mit Hilfe digitaler Datenverarbeitung eine automatisierte Fernablesung ermöglichen. Wichtig ist, dass hier neben den technischen Aspekten auch Fragen zur Verständlichkeit und Wirksamkeit der Informationsvermittlung an die Endkunden ausreichend berücksichtigt werden. Bisher wird unter dem Stichwort "Smart Metering" vor allem die Wirkung von Anzeigegeräten (Displays) am Stromzähler untersucht. Wünschenswert wäre es jedochlaut ifeu-Studie, auch Aspekte der Rechnungsstellung mit in die Diskussionen einzuschließen.

Die Ergebnisse dieser Studie fließen in das interdisziplinäre Projekt "TIPS - Transformation und Innovation in Power Systems" ein, das vom BMBF im Rahmen des Forschungsprogramms Sozial-ökologische Forschung gefördert wird.