Schlechte Prognosen

Studie: Verschuldung der Stadtwerke kritisch

Viele Stadtwerke schreiben rote Zahlen und verdienen kaum noch etwas an der Stromproduktion. Für einige kommunale Versorger wird die Situation immer problematischer, die Verschuldung rückt in einen kritischen Bereich, so eine Studie der Unternehmensberatung PWC.

Strommast© Bernd Boscolo / pixelio.de

Düsseldorf (dpa/red) - Deutsche Stadtwerke geraten wegen drastisch gesunkener Gewinne aus der Stromerzeugung in finanziell schwieriges Fahrwasser: Ihre Verschuldung erreicht teils kritische Werte, sie müssen Investitionsprojekte überdenken und die Ausschüttungen an die kommunalen Eigentümer werden wohl auf breiter Front zurückgehen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung PWC hervor, die 150 kommunale Versorger und deren Bilanzen in den Jahren 2009 bis 2012 betrachtet.

Finanzierungsfähigkeit gefährdet

Nach der Studie liegt bei einem Viertel der untersuchten Stadtwerke der Verschuldungsgrad bereits im "zunehmend kritischen Grenzbereich". "Die Finanzierungsfähigkeit dieser Unternehmen könnte schon bald nachlassen", sagte der Leiter der PWC-Energiewirtschaft Norbert Schwieters.

Weiterer Abstieg der kommunalen Versorger

Die beobachteten Trends setzten sich nach seiner Beobachtung auch 2013 und 2014 fort, sagte der Studienautor Bernd Papenstein der Nachrichtenagentur dpa. In den kommenden Jahren sei mit einer Abwertung der kommunalen Versorger durch die Rating-Agenturen auf breiter Front zu rechnen. Dadurch werde sich die Finanzierung zusätzlich erschweren. Die Unternehmensberatung betreut bundesweit zahlreiche Stadtwerke.

Noch sei die Lage nicht bedrohlich, da der Markt angesichts der niedrigen Zinsen händeringend nach Anlagemöglichkeiten suche. Wenn die Finanzmärkte aber wieder eintrockneten, könnte es kritisch für Stadtwerke werden, sagte Papenstein.

Ausschüttungsquote gestiegen

Die Ausschüttungen an die kommunalen Eigentümer seien trotz geschrumpfter Gewinne vielfach nominell gleich geblieben, heißt es in der Studie. Die Ausschüttungsquote stieg damit von 2010 bis 2012 von 82 auf über 90 Prozent. Dieses Geld fehle den Unternehmen für die Finanzierung der investitionsintensiven Energiewende - etwa den Aufbau von Wind- und Solarparks.

Einschränkungen für Bürger

Deutliche Verringerungen der Ausschüttungsquoten seien derzeit ein großes Thema bei Gesprächen mit Stadtwerken, sagte Papenstein. "Das Nachdenken geht dort jetzt los." Allerdings sind in vielen Städten die Einnahmen aus den Stadtwerken traditionell für die Abdeckung defizitärer Einrichtungen wie Bus, Bahn oder Schwimmbäder fest eingeplant. Kürzungen führen dort zu schmerzhaften Einschränkungen für die Bürger.

Dennoch glaubt Papenstein, dass künftig Ausschüttungsquoten von 50 Prozent oder noch darunter realistisch seien. "Halbe, halbe ist eine faire Lösung. In diese Richtung werden wir gehen", sagte er. Dies entspreche auch der Praxis bei vielen Dax-Unternehmen.

Eigenkapital geht zurück

Die Eigenkapitalausstattung der Stadtwerke, die lange Jahre satt verdient haben, liegt nach der Studie mit im Schnitt über 40 Prozent noch im komfortablen Bereich. Sie geht aber beständig zurück - von 44 Prozent 2009 auf 42,5 Prozent 2012. "Noch ist vernünftig geheizt, aber das Fenster ist auf und wir merken, wie es eiskalt reinzieht", sagte Papenstein.

Enervie wollte Kraftwerke abschalten

Viele deutsche Stadtwerke erwirtschaften mit Gas- oder Kohlekraftwerken angesichts des niedrigen Börsenstrompreises derzeit schmerzhafte Verluste. Aufsehen hatte etwa Ende Mai die Ankündigung des südwestfälischen Regionalversorgers Enervie erregt, seine Kraftwerke langfristig ganz abzuschalten. Enervie hatte allein 2013 mit der konventionellen Erzeugung in seinen Gas- und Kohlekraftwerken sowie einem Pumpspeicherkraftwerk rund 50 Millionen Euro Verlust hinnehmen müssen.

Der Versorger, der mehrheitlich den Städten Hagen und Lüdenscheid gehört, musste die Dividende für 2013 streichen - und auch für 2014 seien die Eigentümer vor einem möglichen Dividendenausfall gewarnt worden, sagte ein Sprecher.

Quelle: DPA