Keine übertriebenen Erwartungen

Studie: Unterirdische Kohlendioxid-Speicherung kein Königsweg

Eine unterirdische Speicherung von CO2 ist kein Königsweg zur Eindämmung des Klimawandels, so das Ergebnis einer Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Eine dauerhafte Lösung des Klimaproblems sei mit der CO2-Speicherung nicht zu erreichen. Gleichwohl komme ihr eine wichtige Brückenfunktion zu.

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Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Nach Einschätzung des Instituts ist die CO2-Speicherung nicht vor dem Jahr 2020 in großem Umfang möglich. Das Verfahren könne aber nicht zuletzt wegen der "grundsätzlich begrenzten" Lagermöglichkeiten nur als Ergänzung sowohl zum Ausbau der erneuerbaren Energien als auch zu einer besseren Ausnutzung der Energie gesehen werden, lautet das Fazit der vom Mineralölkonzerns Shell in Auftrag gegebenen Studie, die gestern in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Bei dem Verfahren geht es um die Abscheidung des in Kohle- und Gaskraftwerken bei der Stromerzeugung anfallenden CO2. Technisch am meisten ausgereift ist heute die Abtrennung von CO2 im Anschluss an den Verbrennungsprozess durch eine so genannte Rauchgaswäsche. Aber auch eine Abscheidung vor der Verbrennung durch die Isolierung von CO2 aus fossilen Brennstoffen ist in der Entwicklung.

Im Anschluss soll das abgetrennte Treibhausgas insbesondere per Pipeline oder per Schiff zu unterirdischen Kavernen transportiert und dort dauerhaft gespeichert werden. Als langfristig stabile Lagerstätten gelten vor allem ausgeförderte Erdöl- und Erdgasfelder sowie Salzkavernen oder tiefe Kohleflöze sowie stillgelegte Kohlebergwerke.

Die möglichen Speicherstätten in Deutschland haben laut Studie eine zeitliche Lagerreichweite von 30 bis 70 Jahren. Die weltweite Reichweite aller derzeit in Frage kommenden Lagerstätten liegt bei 150 bis 200 Jahren. Günstige Lagerbedingungen in Deutschland verortet die Studie vor allem im Norddeutschen Becken, die damit jedoch zum Teil erheblich von den deutschen Kraftwerkszentren im Rheinland, Ruhrgebiet und der Lausitz entfernt seien.

Durch einen weit reichenden Einsatz der Abscheide-Technologie lassen sich den Angaben zufolge bis zu 70 Prozent der CO2-Emissionen eines Kraftwerkes isolieren. Der Aufwand für das Verfahren wird mit 40 bis 70 Euro je Tonne CO2 angesetzt und bleibt damit nicht ohne Folgen für die Strompreise. Diese dürften sich um 50 bis 70 Prozent verteuern, betonte das Institut.

Angesichts des weltweit weiter steigenden Energieverbrauchs und der auch in den kommenden Jahrzehnten ungebrochen hohen Bedeutung fossiler Energieträger könne die CO2-Lagerung aber "möglicherweise einen signifikanten Beitrag" zur Eindämmung des Ausstoßes von Treibhausgasen leisten, stellt die Studie fest. Prognosen zufolge wird der Weltenergieverbrauch allein bis 2030 um 50 Prozent zulegen, wobei Erdöl, Kohle und Gas auch dann noch wie heute schon einen Anteil von 80 Prozent an der Energieerzeugung haben werden.