Barrieren

Studie: Stromhandel unterliegt noch vielen Hürden

Einer neuen Studie zufolge leiden die Strommärkte noch unter vielerlei Zugangsbarrieren, vor allem in Osteuropa. Deutschland habe für Stromhändler die höchste Attraktivität, die höchsten Hürden seien in Polen und Ungarn zu beobachten.

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Frankfurt am Main (red) - Innerhalb der Region Mittel- und Osteuropa bietet Deutschland die besten Voraussetzungen für den Stromhandel. Das gilt sowohl für die Marktgröße und -struktur als auch für die staatlichen Rahmenbedingungen, stellt die neue Studie "Impediments to Electricity Trading in Central and Eastern Europe" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) fest.

Deutschland und Österreich sind danach die offensten Strommärkte mit den geringsten staatlichen Restriktionen der Region. Die Studie beruht auf Befragungen von 39 europäischen Stromhandelsunternehmen, die in Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn aktiv sind.

Osteuropa tut sich noch schwer

Fazit der Untersuchung: Generell tun sich die osteuropäischen EU-Neulinge schwerer mit einem freien Strommarkt als Österreich und Deutschland. Als besonders hoch empfinden die Stromhändler die bürokratischen und regulatorischen Hürden in Polen und Ungarn. Beide Länder halten - beabsichtigt oder nicht - zudem die Sprachbarriere hoch: Hier gibt es die wenigsten Informationen zum Strommarkt in Englisch, der "lingua franca" der Energiemärkte. Auch in Slowenien und Tschechien empfinden die Unternehmen diesen Mangel als Marktzugangs-Hindernis.

Ungarn tut sich zudem damit hervor, dass es für den Stromhandel Lizenzen verlangt, die aber nur schwer zu erlangen sind. In Slowenien, der Slowakei und Tschechien stehen den Händlern ebenfalls Lizenzprozeduren im Weg. Einige Länder fordern sogar, dass lokale Töchter gegründet und ins Handelsregister eingetragen werden, ehe sie ausländische Unternehmen zum Stromhandel zulassen. Nicht zuletzt stehen Ungarn und Polen an der Spitze, wenn es um die Transaktionskosten - also die Gebühren für Lizenzen, Strombörsen und Abrechnung des Handels - geht. Deutschland und Österreich bieten hier die günstigsten Bedingungen.

Abläufe auf den Märkten unterschiedlich

Erhebliche Unterschiede gibt es auch in den Abläufen der jeweiligen Strommärkte. Hinderlich empfinden die Stromhändler zum einen die unterschiedlich komplizierten Regeln des Zugangs zu den Strombörsen (in Deutschland, Österreich, Polen und Slowenien) und anderen Handelssystemen. Zum anderen weisen sie auf Mängel in der zeitlichen Abstimmung des Informationsaustauschs zwischen Stromerzeugern, Übertragungsnetzbetreibern, Börsen und Clearingstellen hin, hier ist eine zentrale Voraussetzung für das Funktionieren des Strommarktes unbefriedigend gelöst.

Die Befragung der Händler ergab, dass die deutsche Börse EEX und die österreichische EXAA bereits als gut koordiniert angesehen werden, während der slowenischen Borzen und vor allem der polnischen Polpex noch erhebliches Entwicklungspotenzial zugeschrieben wird. So halten die Stromhändler denn auch im gegenwärtigen Stadium den Intraday-Handel, der einen extrem schnellen Datenfluss erfordert, nur an den Börsen in Deutschland und Österreich für interessant.

Problem Ausgleichsenergiemärkte

Ebenfalls als wenig entwickelt beurteilen die Stromhandelsunternehmen die Ausgleichsenergiemärkte der neuen EU-Mitgliedsstaaten. Nur in Tschechien erscheint einem knappen Drittel der Befragten die Preisbildung in diesem Feld marktgesteuert. In den übrigen vier Ländern sehen sie gar keinen marktgemäßen Ansatz. Zum Vergleich: In Österreich sind es 100 Prozent, in Deutschland fast zwei Drittel der Händler, die den Ausgleichsenergiepreisen das Attribut "marktorientiert" zubilligen.

Eine Grundvoraussetzung des effizienten Datenaustauschs sind nicht zuletzt kompatible und zuverlässige IT-Systeme sowie einheitliche Dateiformate. Das sind noch nicht einmal in allen nationalen Märkten Selbstverständlichkeiten - vor allem Ungarn, Polen und die Slowakei haben nach Beobachtungen der Stromhändler immer noch Datenverarbeitungs-Probleme.