Seit Liberalisierung

Studie: Steuern und Abgaben sorgen für steigende Strompreise

Die Netto-Strompreise haben sich seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 kaum verändert, für höhere Endpreise seien vor allem die gestiegenen Steuern und Abgaben verantwortlich, so das Ergebnis einer Studie von A.T. Kearney. Diese Entwicklungen seien nicht nur in Deutschland zu beobachten.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Seit dem Start der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 sind in Deutschland die Strompreise ohne Steuern in etwa unverändert geblieben, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Managementberatung A.T. Kearney. Für den Preisanstieg verantwortlich seien die kontinuierlich gestiegene Steuer- und Abgabenlast, die sich in den letzten acht Jahren um 78 Prozent erhöht hat. So flossen im vergangenen Jahr etwa 10,1 Milliarden Euro mehr in den Bundeshaushalt als noch 1998. In diesem Jahr kommen durch die Mehrwertsteuererhöhung durchschnittlich weitere 18 Euro pro Haushalt hinzu. Damit erreicht die Erhöhung der Steuer- und Abgabenlast seit 1998 91 Prozent.

Die Entwicklungen in Deutschland seien kein Einzelfall. "In allen Ländern wurde die Energiemarktliberalisierung zur Erhöhung der Steuern und Abgaben genutzt", so Dr. Florian Haslauer, Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney und Leiter der Studie. In Deutschland seien diese neben Dänemark und den Niederlanden am höchsten und dienen nur zu einem geringen Teil der Förderung von alternativen Energien. Überwiegend fließen sie direkt in den Bundeshaushalt.

Auch in Zukunft steigende Strompreise?

Inklusive Steuern lag der Preis für private Haushalte im Jahr 2005 bei 18,7 Cent pro Kilowattstunde. Aus der A.T. Kearney-Studie geht hervor, dass dieser bis zum Jahr 2013 auf 22,2 Cent pro Kilowattstunde klettern könnte, sollten die Energiepreise und die Steuerbelastung weiter steigen. Bleiben weitere Steuererhöhungen aus, werde sich der Strompreis in etwa auf dem heutigen Niveau einpendeln.

Generell sind für die Entwicklung Netznutzungsentgelt, Energieanteil und Steuern verantwortlich. Das Netznutzungsentgelt wird durch die Regulierung in den nächsten Jahren sinken, der Energieanteil aufgrund weiter steigender Primärenergiepreise eher ansteigen, meint A.T. Kearney. Zudem ist zu erwarten, dass die ehrgeizigen Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energie einen höheren Steueranteil erfordern.

Netznutzungsentgelte können gesenkt werden

"Der Bundesnetzagentur sollte auch die Zeit zugestanden werden, die Netzentgeltsenkung fortzusetzen. Hier sind mindestens drei weitere Jahre erforderlich, um eine erste echte Beurteilung vornehmen zu können", so Haslauer. Laut der Studie können die Länder, "die schon seit längerem auf eine Regulierung setzen, die niedrigsten Netznutzungsentgelte aufweisen. So konnten zum Beispiel in Österreich und Großbritannien die Netznutzungsentgelte von 2001 bis 2006 um 28 beziehungsweise 32 Prozent reduziert werden."

E.ON: Studie klärt Vorurteile auf

Wulf H. Bernotat, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG, begrüßt die Klarheit der Studie und dass diese die verbreiteten Vorurteilen aufräumt. "Beim letzten Energiegipfel haben wir vereinbart, die Energiepreisentwicklung sachlich zu analysieren und zu bewerten, um damit die Grundlage für einen konstruktiven energiepolitischen Dialog zu schaffen. Genau hierzu leistet die jetzt vorgestellte Studie einen Beitrag."

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